CHPITEAU.DE

Würzburger Weihnachtscircus 25/26
www.circus-krone.de ; 192 Showfotos

Würzburg, 14. Dezember 2025: Mit seinem neuen Bogenmasten-Chapiteau hat der Circus Krone sich eine Spielstätte auf dem aktuellsten Stand geschaffen. Die Bögen waren zum zügigen Reisen bereits in doppelter Ausführung vorhanden, mit einer zweiten Plane wurde das Zelt in diesem Winter dupliziert. So standen bei den Weihnachtscircussen Rosenheim und Ingolstadt zwei Arenen unter Gitterbögen. Beim 4. Würzburger Weihnachtscircus wurde dagegen das Vorgänger-Zelt genutzt, das in seiner Grundform jahrzehntelang im Einsatz war.

Mit dem „blauen Dom der Freude“ verbinden sich für Circusfreunde viele schöne Erinnerungen. Auf der Würzburger Talavera können wir tief in diese eintauchen, durchschreiten wir beim Einlass doch die große Fassade und betreten, nachdem wir das schön ausgestattete Vorzelt passiert haben, das bestens bekannte Spielzelt. Der ikonische Artisteneingang mit der Showtreppe und dem hufeisenförmigen Portal beherrscht die Szenerie. Neueren Datums sind dagegen die beleuchtete Piste und die runde Bühne vor der Manege und zwischen den frontalen Logen. Das Orchester thront über dem Zuschauereingang. Es ist ein Setting, das nicht leicht zu bespielen ist, denn das „größte reisende Circuszelt der Welt“ ruft nach bombastischen Programmen im Stil des Krone-Festivals, um die gewaltigen Distanzen zu überbrücken. Mit Elefantenherde, Raubtiershow und großer Luftsensation à la „Borzovi“.


Kristian Kristof, Opening, Anna Demeter

Die Begrüßung und die weitere Moderation übernimmt Kristian Kristof – ein echter Gentleman im schwarzen Frack, charmant und elegant. Obwohl Deutsch nicht seine Muttersprache ist, macht der Ungar seine Sache hervorragend. Es wäre schön, wenn er dauerhaft als Sprechstallmeister gewonnen werden könnte, nachdem diese Aufgabe bisher bei jeder Ausgabe des Würzburger Weihnachtscircus in neue Hände gelegt wurde. Ungewöhnlich ruhig für Krone, mit geheimnisvoll tönender Musik, ist das große Opening gestaltet. Auf der Showtreppe erscheinen zunächst das sechsköpfige Ballett der Kiev Academy in roten Kleidern, eine Artistin in einem Kleid mit riesigen Engelsflügeln und eine weitere, welche die Hula-Hoop-Reifen kreisen lässt. In der Manege kommen einzelne Mitglieder der Truppe Nonstop in bunten Anzügen sowie die Truppe „Mystery of Gentlemen“ mit Handvoltigen hinzu. Nahtlos geht das Charivari in den Auftritt der jungen Ungarin Anna Demeter am Schwungseil über. Dabei überzeugt sie beispielsweise mit dem Genickhang, Mehrfach-Überschlägen, dem Rutschen in den Fershang und wagemutigen Pirouetten in Abfaller hinein. Zum Auftritt geleitet und später wieder am Boden in Empfang genommen wird sie von den Damen des Balletts, die ihr ein rotes, leuchtendes Herz mit auf den Weg geben.


Marine Cannelle, Pastelito de Chile und Pastelito Junior

Gleich ins Herz schließen wir auch Marine Cannelle vom Cirque Théâtre Èquestre Jehol. Zunächst zeigt die sympathische Französin auf dem Pferderücken stehend einzelne Tricks der Jockeyreiterei, auch mit Sprüngen. Dann folgen Elemente der Freiheitsdressur am Boden. Unter anderem lässt sie ein Ross absitzen und ein anderes um dieses herumlaufen. Sanft und ruhig verläuft diese einfühlsam vorgeführte Darbietung, begleitet vom französischen Chanson „Voilà“, und gipfelt in einer Stehendreiterei auf zwei Pferden, neben denen links und rechts zwei weitere laufen. In der nachfolgenden Umbaupause tanzt das Ballett in Weihnachtskostümen zwischen Parkettloge und Tribüne zum Rudolf-Song, füllt damit den Raum. Stolz ist man beim Circus Krone auf das Engagement von Agustin Maluenda Rios alias „Pastelito de Chile“, schließlich ist der Clown in seiner südamerikanischen Heimat ein Star und hat aktuell einen Silbernen Clown in Monte Carlo gewonnen. Dennoch werden Pastelito und sein Sohn Pastelito Junior von Kristian Kristof aufgefordert, die Manege gleich wieder zu verlassen. Dass sie dort durchaus ihren Platz haben, versuchen die beiden Herren mit Jonglagen auf der Rola (der Sohn) und mit Gesang (beide) unter Beweis zu stellen. Sie legen tolle Stimmen und engagiertes Spiel an den Tag.


Duo Medel, Thomas Lacey

Für einen Höhepunkt des Programms sorgt das mexikanische Duo Medel mit seiner Partnerakrobatik. Besonders bemerkenswert ist der Schlusstrick, der mit einem Flic Flac von Victor Castillo über den Partner Antonio Medel hinweg zum Handstand auf dessen Händen beginnt. Und dies, während Antonio Medel in einem Gesell kopfüber diagonal nach unten hängt, die Füße in zwei Schlaufen auf der Plattform gehalten, die Unterschenkel gegen eine Barriere gedrückt. Aus dieser Position kämpft er sich, den Partner weiterhin auf Händen tragend, in die Vertikale zurück. Nachdem dieses äußerst kraftraubende Kunststück nach einem Scheinsturz im zweiten Anlauf gelingt, gibt es tosenden Appplaus. Für Tempo sorgt sodann Thomas Lacey. Er gefällt bei seiner Hundenummer mit seinem temperamentvollen und doch eleganten Auftreten. Zehn Vierbeiner unterschiedlicher Rassen dirigiert er durch eine umfangreiche Trickfolge. Dabei springen sie durch Reifen und eine Röhre, über ein Seil und über Hürden oder schlagen Salti. Mit der Polonaise aller Tiere, die Vorderpfoten jeweils auf dem Rücken des vorangehenden Hundes, findet die Nummer ihren Abschluss.


Christofer Eötvös und Magic Girls, Fahrer der Torres Riders

Für die schön und aufwendig in Szene gesetzten Großillusionen von Christofer Eötvös verwandelt sich das Ballett in seine „Magic Girls“. Zunächst taucht der junge Ungar aus einer scheinbar leeren Glasbox auf, nachdem diese sich mit Nebel gefüllt hat. Dann lässt er die Damen erscheinen und verschwinden. Zum Schein werden sie entweder zerteilt oder zusammengepresst. Auch sich selbst schont der Magier nicht, wird er doch zumindest dem vermittelten Eindruck nach von herabfallenden Stäben durchbohrt. Natürlich erleben wir ihn gleich darauf unverletzt. Seine Perücke mit den langen roten Haaren und das knallrote T-Shirt mit der Aufschrift „Pastelito de Chile“ sowie die blaue Hose behält der Clown für den zweiten Auftritt an, sein Sohn tauscht das Shirt mit „Junior“-Druck jedoch gegen ein elegantes Livree. So gibt er den seriösen Part in einer Variation über das Grundmotiv des verbotenen Musizierens. Ein Klatschwettbewerb der Tribünenblöcke, absurder Tanz und Gesang und schließlich Pastelitos Spiel als „Ein-Mann-Orchester“ sind Elemente dieser Szene. Fächer mit daran befestigten Tüchern bewegt das Ballett in seinem Tanz auf der Vorbühne und auf den Treppenaufgängen des Gradins. Währenddessen wird die Motorradkugel aus dem Hause Maximiliano Luftmann, „powered by Torres Riders“, aufgebaut. Das Besondere an dieser Variante ist der Einsatz von E-Motorbikes, so dass das Spektakel flüsterleise und ohne Abgasgeruch auskommt. Letztendlich rasen vier Fahrer hintereinander her durch die Kugel, Fahrer Nummer fünf kreuzt ihre Bahnen.


Truppe Nonstop, Ballett der Kiev Academy

Nach dem ruhigen Opening des ersten Programmteils beginnt die zweite Hälfte bunt, farbenfroh und mitreißend, dies mit den fünf Herren und der Dame der Truppe Nonstop. In ihren verschiedenfarbigen Anzügen zeigt das Sextett, das fast schon fest zum Circus Krone gehört, an zwei Trampolinen mit „Haus“ dazwischen ein Feuerwerk an Sprüngen und Salti. Ganz in Schwarz gestalten die Damen der Kiev Academy dagegen den Übergang zur nachfolgenden Nummer. Mit ihrem raumgreifenden, sauberen, hochklassigen Tanz sind sie ein echter Pluspunkt dieser Produktion.


Oscarita Maluenda, Benjamin Cannelle

Mit Oscarita Maluenda geht es nochmals hoch hinaus. Mit strahlendem Lächeln und durchaus anspruchsvollen Tricks, die Kraft und Beweglichkeit zugleich erfordern, beeindruckt sie bei ihrer Luftakrobatik an einem schönen Kronleuchter. Am Saxofon und mit dem live gesungenen „Halleluja“ wird sie von Pastelito und Junior begleitet. Zwei Wirbel – zunächst kopfüber an einem Fuß, dann im Genickhang – bilden den Abschluss der Darbietung. Während ursprünglich Sacha Houcke und Gaby Dew mit ihren Tierdressuren angekündigt waren, erleben wir nun die exquisiten Pferdenummern des Cirque-Théâtre Èquestre Jehol. Ein Hochgenuss ist besonders die Freiheit mit sechs verschiedenfarbigen Rössern, die Benjamin Cannelle vorstellt. Teils zu Pferd, teils vom Boden aus dirigiert der Franzose in ruhiger und souveräner Weise anspruchsvolle Lauffiguren und Solosteiger. Offenkundig sind die Tiere bei ihm in besten Händen.


Kristian Kristof, Pastelito de Chile, Mystery of Gentlemen

Ball-Atmosphäre im Stil der 1920er Jahre wird geschaffen, wenn die Tänzerinnen des Balletts Kristian Kristof die große Showtreppe hinunter geleiten. Unten angekommen, zeigt er, dass er auf einer mit dem Mund getragenen Zigarre einen Stapel aus drei Stühlen, einem Tischchen, einer Zigarrenkiste und einer brennenden Kerze balancieren kann. Es folgen ganz klassische Gentleman-Jonglagen – mit drei Zigarrenkisten und drei Zylindern. Ein wunderbarbar traditionelles Bild, mit Witz und Können präsentiert! Nochmals erobern Pastelito und Junior den Ring. Erst foppen sie ihren Assistenten, dem hinterrücks ein „Smiley“ aus weißem Schaum auf den Rücken gesprayt wird, dann wird wieder musiziert. Ihre durchweg schrillen Szenen mögen mehr auf den Humor in ihrer südamerikanischen Heimat als auf das fränkische Verständnis von Komik gemünzt sein, doch sympathisch sind sie allemal und spätestens jetzt bringen sie auch mich herzlich zum Lachen. Für die starke Schlussnummer sorgt die mongolische Truppe „Mystery of Gentlemen“. Sie kombiniert zwei Genres zu einer echten Rarität. Die männlichen Akteure balancieren hierbei auf großen Kugeln. Von dort aus katapultieren sie ihre beiden Partnerinnen zu Handvoltigen in die Luft und fangen sie wieder auf, dies auch von Kugel zu Kugel und bis hin zum Drei-Personen-Hoch.

Durch die Nutzung der Showtreppe, der Vorbühne und des Raumes zwischen Parkettlogen und Tribüne einschließlich der Stufen des Gradins gelingt es letztendlich so gut wie möglich, das gigantische Chapiteau mit diesem guten Programm auszufüllen. Auch das starke, strahlende Licht leistet seinen Beitrag. Wir erleben in der Vorstellung viele Nummern, die wir aus anderen Krone-Produktionen bestens kennen. Sehr schöne neue Erinnerungen schaffen darüber hinaus einige Bestandteile der Show, die wir erstmals erleben durften. Zu nennen sind die tollen Pferdenummern, aber auch das wunderbare Ballett aus Kiev. Und so sind wir gespannt, mit welcher Mischung aus Neuem und Bewährten uns der bereits 5. Würzburger Weihnachtscircus im kommenden Winter überraschen wird.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll