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Ravensburger Weihnachtscircus 25/26
www.winter-circus.de ; 176 Showfotos

Ravensburg, 2. Januar 2026: Der Ravensburger Weihnachtscircus hat sein Idealkonzept gefunden. Dieser Einstieg aus der Programmbesprechung zur 3. Auflage der Veranstaltung in der Saison 2014/15, damals formuliert vom Chapiteau.de-Kollegen Stefan Gierisch, ist mir stets in Erinnerung geblieben. Nun ist es an der Zeit, diese Feststellung wieder aus dem Archiv zu holen. Zum Idealkonzept 2025/26 gehört zunächst das veränderte Chapiteau: In einem kühnen Schritt hat Direktor Elmar Kretz die vier Hauptmasten des vorhandenen Zelts durch zwei außen liegende Bögen ersetzen lassen.

Dies sorgt für ein ganz neues, freieres Raumgefühl, gibt dem Innenraum trotz des überschaubaren Durchmessers von 35 Metern optische Größe. Gab es in der vergangenen Saison ein Ballett anstelle des Orchesters, müssen wir nunmehr auf nichts verzichten: Live-Musik in höchster Qualität trifft auf Tänzerinnen und Tänzer in der Manege. Hinzu kommen ein qualitatives artistisches Ensemble, die hauseigenen Pferdedressuren sowie zwei wunderbare Clowns. Alexandra Saabel hat gemeinsam mit Elmar Kretz daran gearbeitet, aus den hochwertigen Zutaten eine stimmungsvolle Show zu kreieren. Neu ist im Übrigen auch der festliche Artisteneingang, das in der Vorsaison genutzte LED-Portal ist schon wieder Geschichte.


Chapiteau unter Bogenmasten für ein neues Raumgefühl

Zum Beginn der Vorstellung machen wir Bekanntschaft mit den Clowns Diego und Joanes, die Ravensburg auf einer Falt-Landkarte finden. Mit bunten Sticks spielen sie auf imaginären Trommeln und laden das Publikum zum Klatschspiel ein. Ihr Urteil fällt eindeutig aus: eine Tribünenseite macht die Sache gut, die andere wird mit “Katastrophe” bewertet. Zur Ouvertüre interpretiert das Orchester “8 ½”, die berühmte Melodie mit dem sich steigernden Tempo von Nino Rota, eine Reminiszenz an die Programmeröffnungen im legendären Circus Barum, den auch Elmar Kretz stets bewunderte.


Elmar Kretz, Jimmy Navratil, Romy Santus

In seiner Begrüßung des Publikums stellt er heraus, dass in diesem Winter “alles wieder neu” sei im Ravensburger Weihnachtscircus - und dass er die Vorführung der hauseigenen Pferde nun ganz in die Hände seiner Tochter Milena gelegt hat. In der Gestalt von vier Weihnachtsfrauen erleben wir die erste Szene des Balletts der "Elite Showgirls", die direkt übergeht in den Auftritt von Jimmy Navratil. Der junge Jongleur ist ein Beleg dafür, dass zur Umsetzung eines Idealkonzeptes auch solche Idealkünstler gehören. Bei seiner Nummer stimmt alles. Der junge Tscheche ist sympathisch und besitzt jede Menge Ausstrahlung, Tempo und Können sind gleichermaßen hoch. Jeweils bis zu fünf Tennisschläger und Fußbälle sind seine Requisiten. Charmant und mit fließenden Bewegungen, aber in einer insgesamt recht kompakten Darbietung präsentiert uns Romy Santus ihr Können mit den Hula-Hoop-Reifen. Erst bewegt sie zwei mit den Händen, dann lässt sie fünf um Arme, Beine und Körper kreisen und schließlich setzt sie ein ganzes Bündel in Bewegung.


Diego und Joanes, Anna und Oli, Milena Kretz

Typische Musik einer klassischen, osteuropäischen Schleuderbrett-Nummer erklingt, wenn Diego und Joanes das Genre persiflieren. Ihre Auseinandersetzung dreht sich zunächst darum, wer der Springer sein darf. Wenig später soll ein Kind aus dem Publikum diese Rolle übernehmen – doch was die äußerst sympathischen Spaßmacher in die Luft katapultieren, ist letztendlich nur ein Hut. Sie sind durchaus als traditionelle Clowns erkennbar, geben ihren Auftritten mit ihren zeitgemäßen Outfits aber eine moderne, stilvolle Note. Ganz seriöse Akrobatik folgt dann mit Anna und Oli. Hand-auf-Hand-Tricks wechseln sich mit Wurfelementen ab, bis hin zum effektvollen Rückwärtssalto. Verpackt wird dies in eine sinnliche Lovestory zwischen Mann und Frau. In ihren Kleidern mit Blumenbesatz und mit raumgreifenden Bewegungen verschaffen die vier Tänzerinnen des Balletts der Direktionstochter Milena Kretz den großen Auftritt. Gekonnt leitet sie die sechs Schimmel aus dem hauseigenen Bestand zu verschiedenen Lauffiguren an, bis hin zum Gegenlauf in Dreiergruppen nebeneinander. Ein Solosteiger bildet den Abschluss. Vater Elmar unterstützt nur dezent im Hintergrund.


Krisztina Eötvös und Szebasztian Richter, Duos Rodys, Triple Breath

Ein Gang im Zwei-Mann-Hoch durch die Tribünenreihen, Tellerdrehen mit Scherben am Ende – so überbrücken Diego und Joanes die Vorbereitungen zur Quickchange-Nummer von Szebasztian Richter und Krisztina Eötvös. Ob hinter einem Vorhang, im Stoffsack oder im Flitterregen, auf unterschiedliche Weisen wechselt das Paar mit dem extrovertierteren Herrn und der zurückhaltenderen Dame die eleganten Outfits. Mit seinem Tanz in violetten Circus-Livrees, dargeboten zwischen Loge und Tribüne, leitet das Ballett zur Rollschuhnummer des jungen Duos Rodys über. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit Romy Santus, die in dieser Nummer gemeinsam mit ihrem Ehemann Freddy Kerwich arbeitet. Das Repertoire der beiden geht über den üblichen Standard des Genres hinaus. Und so folgen auf den Genickhangwirbel hier noch Touren, bei denen Romy bäuchlings auf dem Kopf ihres Partners liegt. Pfiffe und rhythmischer Applaus sind der Lohn für diese Leistung, die einen idealen Schlusspunkt der ersten Hälfte setzt. Mit einem weiteren Höhepunkt des Programms beginnt der zweite Teil, und dies auch im Wortsinne. Denn nach einer Ouvertüre des Orchesters, in der Manege begleitet vom Ballett, erklimmt das Trio „Triple Breath“ das Hochseil. Stolz kündigt Elmar Kretz die Gold-Gewinner von Latina und Bronze-Preisträger von Monte Carlo an, zwei Herren und eine Dame aus Usbekistan. Ihre Arbeit hat nichts zu tun mit den typischen Hochseildarbietungen südamerikanischer Prägung, wird in ruhigem Tempo und zu dramatischer Musik gearbeitet. Die beiden Trägergestelle des Requisits mit ihren ornamenthaften Verzierungen und die Kostümen atmen Folklore, die Tricks sind teils außergewöhnlich – noch nicht das Drei-Personen-Hoch zum Beginn oder die Einradfahrt im Zwei-Personen-Hoch. Aber doch, wenn ein Untermann mit nach oben gestrecktem Arm die Partnerin trägt, der dabei eine Handstandwaage gelingt. Wenn sie auf der Plattform am oberen Ende einer Stirnperche-Stange übers Seil getragen wird. Und ganz besonders beim Schlusstrick, bei dem die Dame im Spagat zwischen zwei Gestellen balanciert, die von den Herren mit der Kraft der Gebisse gehalten werden.


Artists of Dance, Diego und Joanes, Soery Dell’Acqua

„Ehre, wem Ehre gebührt“ – unter diesem Motto stellt Direktor Elmar Kretz das neunköpfige, hervorragend aufspielende Orchesters vor, das während des Hochseil-Abbaus mit „Your eyes only“ im Mittelpunkt steht. Ein wenig Magie bringen Szebasztian Richter und Krisztina Eötvös in die Manege, wenn sie mit einem Seil gefesselt wird und – nach kurzem Aufenthalt in einem Stoffsack – plötzlich doch das Sakko trägt, das zuvor ein Zuschauer am Leib hatte. Wie schon in der Vorsaison gibt eine vierköpfige Breakdance-Formation der „Artists of Dance“ dem Programm einen modernen Touch. Auch ohne die ganz extremen Tricks wie beispielsweise Headspins bringt das Quartett viel Stimmung ins Zelt. Und nochmal für Spaß und gute Laune sorgen Diego und Joanes direkt im Anschluss mit ihrer Performance zu einem musikalischen Medley, das von romantischen Titanic-Song über den klassischen Tango bis hin zum „Kung Fu Fighting“ und „Macarena“ reicht. Ganz ernsthaft wird es dann wieder zum Abschluss, wenn Soery Dell’Acqua mit ihrer Handstand-Kontorsion und fließenden Bewegungen auf zwei Stäben die enorme Biegsamkeit ihres Körpers unter Beweis stellt. Im Anschluss an den Ravensburger Weihnachtscircus reiste die junge Artistin weiter nach Monte Carlo, wo sie mit dem „Bronze Junior“ geehrt wurde.

Am Wettrüsten um die größte Weihnachtsshow im Südwesten und in Deutschland nimmt Elmar Kretz nicht teil. Mit Kammerspiel statt Megashow, näher am Varieté als am Drei-Manegen-Circus, hat er seinen eigenen Weg gefunden, Weihnachtscircus zu spielen. Der Weg führte in ein kleineres Zelt, in dem die geringere Kapazität durch mehr Vorstellungen ausgeglichen wird. Und in dem ausgesuchte Darbietungen in stimmungsvoller, von hochwertiger Livemusik geprägter Atmosphäre sein persönliches Idealkonzept ergeben.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll