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Dies sorgt
für ein ganz neues, freieres Raumgefühl, gibt dem Innenraum trotz des überschaubaren Durchmessers von 35 Metern optische
Größe. Gab es in der vergangenen Saison ein Ballett anstelle des
Orchesters, müssen wir nunmehr auf nichts verzichten: Live-Musik
in höchster Qualität trifft auf Tänzerinnen und Tänzer in der
Manege. Hinzu kommen ein qualitatives artistisches Ensemble, die
hauseigenen Pferdedressuren sowie zwei wunderbare Clowns.
Alexandra Saabel hat gemeinsam mit Elmar Kretz daran gearbeitet,
aus den hochwertigen Zutaten eine stimmungsvolle Show zu
kreieren. Neu ist im Übrigen auch der festliche Artisteneingang,
das in der Vorsaison genutzte LED-Portal ist schon wieder
Geschichte.
 
Chapiteau unter Bogenmasten für ein neues Raumgefühl
Zum Beginn
der Vorstellung machen wir Bekanntschaft mit den Clowns Diego
und Joanes, die Ravensburg auf einer Falt-Landkarte finden. Mit
bunten Sticks spielen sie auf imaginären Trommeln und laden
das Publikum zum Klatschspiel ein. Ihr Urteil fällt eindeutig
aus: eine Tribünenseite macht die Sache gut, die andere wird mit
“Katastrophe” bewertet. Zur Ouvertüre interpretiert das
Orchester “8 ½”, die berühmte Melodie mit dem sich steigernden
Tempo von Nino Rota, eine Reminiszenz an die Programmeröffnungen
im legendären Circus Barum, den auch Elmar Kretz stets
bewunderte.
  
Elmar Kretz, Jimmy Navratil, Romy Santus
In seiner
Begrüßung des Publikums stellt er heraus, dass in diesem Winter
“alles wieder neu” sei im Ravensburger Weihnachtscircus - und
dass er die Vorführung der hauseigenen Pferde nun ganz in die
Hände seiner Tochter Milena gelegt hat. In der Gestalt von vier
Weihnachtsfrauen erleben wir die erste Szene des Balletts der
"Elite Showgirls", die
direkt übergeht in den Auftritt von Jimmy Navratil. Der junge
Jongleur ist ein Beleg dafür, dass zur Umsetzung eines
Idealkonzeptes auch solche Idealkünstler gehören. Bei seiner
Nummer stimmt alles. Der junge Tscheche ist sympathisch und
besitzt jede Menge Ausstrahlung, Tempo und Können sind
gleichermaßen hoch. Jeweils bis zu fünf Tennisschläger und
Fußbälle sind seine Requisiten. Charmant und mit fließenden
Bewegungen, aber in einer insgesamt recht kompakten Darbietung
präsentiert uns Romy Santus ihr Können mit den Hula-Hoop-Reifen.
Erst bewegt sie zwei mit den Händen, dann lässt sie fünf um
Arme, Beine und Körper kreisen und schließlich setzt sie ein
ganzes Bündel in Bewegung.
  
Diego und Joanes, Anna und Oli, Milena Kretz
Typische
Musik einer klassischen, osteuropäischen Schleuderbrett-Nummer
erklingt, wenn Diego und Joanes das Genre persiflieren. Ihre
Auseinandersetzung dreht sich zunächst darum, wer der Springer
sein darf. Wenig später soll ein Kind aus dem Publikum diese
Rolle übernehmen – doch was die äußerst sympathischen Spaßmacher
in die Luft katapultieren, ist letztendlich nur ein Hut. Sie
sind durchaus als traditionelle Clowns erkennbar, geben ihren
Auftritten mit ihren zeitgemäßen Outfits aber eine moderne,
stilvolle Note. Ganz seriöse Akrobatik folgt dann mit Anna und
Oli. Hand-auf-Hand-Tricks wechseln sich mit Wurfelementen ab,
bis hin zum effektvollen Rückwärtssalto. Verpackt wird dies in
eine sinnliche Lovestory zwischen Mann und Frau. In ihren
Kleidern mit Blumenbesatz und mit raumgreifenden Bewegungen
verschaffen die vier Tänzerinnen des Balletts der
Direktionstochter Milena Kretz den großen Auftritt. Gekonnt
leitet sie die sechs Schimmel aus dem hauseigenen Bestand zu
verschiedenen Lauffiguren an, bis hin zum Gegenlauf in
Dreiergruppen nebeneinander. Ein Solosteiger bildet den
Abschluss. Vater Elmar unterstützt nur dezent im Hintergrund.
  
Krisztina Eötvös und Szebasztian Richter, Duos
Rodys, Triple Breath
Ein Gang
im Zwei-Mann-Hoch durch die Tribünenreihen, Tellerdrehen mit
Scherben am Ende – so überbrücken Diego und Joanes die
Vorbereitungen zur Quickchange-Nummer von Szebasztian Richter
und Krisztina Eötvös. Ob hinter einem Vorhang, im Stoffsack oder
im Flitterregen, auf unterschiedliche Weisen wechselt das Paar
mit dem extrovertierteren Herrn und der zurückhaltenderen Dame
die eleganten Outfits. Mit seinem Tanz in violetten
Circus-Livrees, dargeboten zwischen Loge und Tribüne, leitet das
Ballett zur Rollschuhnummer des jungen Duos Rodys über. Dabei
gibt es ein Wiedersehen mit Romy Santus, die in dieser Nummer
gemeinsam mit ihrem Ehemann Freddy Kerwich arbeitet. Das
Repertoire der beiden geht über den üblichen Standard des Genres
hinaus. Und so folgen auf den Genickhangwirbel hier noch Touren,
bei denen Romy bäuchlings auf dem Kopf ihres Partners liegt.
Pfiffe und rhythmischer Applaus sind der Lohn für diese
Leistung, die einen idealen Schlusspunkt der ersten Hälfte
setzt. Mit einem weiteren Höhepunkt des Programms beginnt der
zweite Teil, und dies auch im Wortsinne. Denn nach einer
Ouvertüre des Orchesters, in der Manege begleitet vom Ballett,
erklimmt das Trio „Triple Breath“ das Hochseil. Stolz kündigt
Elmar Kretz die Gold-Gewinner von Latina und Bronze-Preisträger
von Monte Carlo an, zwei Herren und eine Dame aus Usbekistan.
Ihre Arbeit hat nichts zu tun mit den typischen
Hochseildarbietungen südamerikanischer Prägung, wird in ruhigem
Tempo und zu dramatischer Musik gearbeitet. Die beiden
Trägergestelle des Requisits mit ihren ornamenthaften
Verzierungen und die Kostümen atmen Folklore, die Tricks sind
teils außergewöhnlich – noch nicht das Drei-Personen-Hoch zum
Beginn oder die Einradfahrt im Zwei-Personen-Hoch. Aber doch,
wenn ein Untermann mit nach oben gestrecktem Arm die Partnerin
trägt, der dabei eine Handstandwaage gelingt. Wenn sie auf der
Plattform am oberen Ende einer Stirnperche-Stange übers Seil
getragen wird. Und ganz besonders beim Schlusstrick, bei dem die
Dame im Spagat zwischen zwei Gestellen balanciert, die von den
Herren mit der Kraft der Gebisse gehalten werden.
  
Artists
of Dance, Diego und Joanes, Soery Dell’Acqua
„Ehre, wem
Ehre gebührt“ – unter diesem Motto stellt Direktor Elmar Kretz
das neunköpfige, hervorragend aufspielende Orchesters vor, das
während des Hochseil-Abbaus mit „Your eyes only“ im Mittelpunkt
steht. Ein wenig Magie bringen Szebasztian Richter und Krisztina
Eötvös in die Manege, wenn sie mit einem Seil gefesselt wird und
– nach kurzem Aufenthalt in einem Stoffsack – plötzlich doch das
Sakko trägt, das zuvor ein Zuschauer am Leib hatte. Wie schon in
der Vorsaison gibt eine vierköpfige Breakdance-Formation der „Artists
of Dance“ dem Programm einen modernen Touch. Auch ohne die ganz
extremen Tricks wie beispielsweise Headspins bringt das Quartett
viel Stimmung ins Zelt. Und nochmal für Spaß und gute Laune
sorgen Diego und Joanes direkt im Anschluss mit ihrer
Performance zu einem musikalischen Medley, das von romantischen
Titanic-Song über den klassischen Tango bis hin zum „Kung Fu
Fighting“ und „Macarena“ reicht. Ganz ernsthaft wird es dann
wieder zum Abschluss, wenn Soery Dell’Acqua mit ihrer
Handstand-Kontorsion und fließenden Bewegungen auf zwei Stäben
die enorme Biegsamkeit ihres Körpers unter Beweis stellt. Im
Anschluss an den Ravensburger Weihnachtscircus reiste die junge
Artistin weiter nach Monte Carlo, wo sie mit dem „Bronze Junior“
geehrt wurde. |