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Great Christmas Circus 2025/26
www.great-christmas-circus.de ; 136 Showfotos

Frankfurt am Main, 13. Dezember 2025: Natürlich sind die gezeigten Nummern der Kern einer jeden Circusvorstellung. Die Verpackung der einzelnen Darbietungen sowie der gesamten Show ist aber (nahezu) genauso wichtig. Letztendlich entscheidet der Gesamteindruck, mit dem der Gast das Chapiteau verlässt. Und gerade bei diesem vermeintlichen Nebensächlichkeiten punktet der Great Christmas Circus auch in diesem Jahr wieder ganz besonders. Das grandiose Spiel des Orchesters unter der Leitung von Petru Haruta unterstützt die Arbeit der Artisten bestens. Ebenso der Gesang von Harutas Frau.

Auch am Lichtdesign wird nicht gespart. Für die Regie konnte einmal mehr Joseph Bouglione gewonnen werden. Ganz wichtig ist der Familie Wille ebenfalls das Ambiente, sprich das Material. Der eigene große Viermaster mit passendem Vorzelt ist schon von Außen eine Augenweide. Die Lichterketten darauf strahlen weit über den Platz hinaus und steigern die Vorfreude. Im Inneren des Spielzelts dann unzählige Reihen mit blauen Klappsitzen, die von der ersten Reihe an ansteigend verlaufen und beste Sicht ermöglichen. Der geschmackvolle Artisteneingang beheimatet über der roten Gardine das Orchester.


Orchester unter der Leitung von Petru Haruta

Beim Programm, welches immer schon recht frühzeitig kommuniziert wird, ergaben sich im Vorfeld noch Änderungen. Die am Premierenabend gezeigte Show wird einmalig bleiben. Zwei der Acts wurden kurzfristig einzig für den Auftakt gebucht. Eine der geplanten Darbietungen, das Duo Polishchuk an den Strapaten, wird dafür erst ab der kommenden Woche zu sehen sein. Inklusive Pause dauerte die Premiere rund drei Stunden und 15 Minuten. Und die verliefen durchaus kurzweilig, wenngleich Ansätze zum Kürzen offensichtlich wurden.


Mitglied von Bingo, Sara Polach, Rubel Medini

Der wichtigste gleich zum Start. Statt mit dem Opening durch Bingo zu beginnen, hören wir zunächst einen Monolog aus dem Off, in dem Alfons Wille an seinen Großvater erinnert, den er nie kennengelernt hat. Dann hat das junge Mitglied der Direktionsfamilie seinen ersten von mehreren Auftritten. Erst danach kommt der eigentliche, rundum gelungene Auftakt der Show. Acht hübsche Artistinnen vom Circus Theater aus Kiew holen uns sehr schwungvoll ab in die Welt des Circus. Es ist eine dynamische Melange aus Luft-, Handstand- und Einradakrobatik sowie Tanz. Verpackt in eine stimmige Choreographie, dazu schöne Kostüme und eben die fantastische Livemusik. Vor einem Jahr konnten wir hier Helena Polach mit Fußballjonglagen erleben. Nun steht ihre Tochter Sara in der gleichen Disziplin im Scheinwerferlicht. Der Nachwuchs macht seine Sache ganz wunderbar. Bis zu fünf Bälle hält Sara gleichzeitig in der Luft. Das variantenreiche Spiel mit den Requisiten klappt genauso gut wie das mit dem Publikum. In der Sommersaison 2025 traten Mutter und Tochter gemeinsam im Sirkus Finlandia auf. Rasant geht es weiter. Rubel Medini präsentiert seine Akrobatik auf der Rola Rola sehr flott. Der Italiener springt auf einem auf einer Walze liegenden Brett Seil, stapelt immer mehr kleine Tische übereinander oder hält sich aus einem Turm von Rollen souverän im Gleichgewicht. Der mehrfache Weltrekordhalter serviert seine Kunst sehr gewinnend.


Jamena Wille, Natascha Wille, Alfons Wille

Jamena Wille zieht die Augen der Gäste Richtung Kuppel. In ihrer Kür an den Tüchern serviert sie uns schöne Bilder bei akrobatischen Posen sowie Flugsequenzen. Ob man beim Duo Stauberti nach oben oder nach unten schaut, kann man sich quasi aussuchen. Am Boden sieht man Dimitri und oben seine Nichte Nancy. Dazwischen befindet sich eine lange Metallstange, denn ihr Metier ist die Percheakrobatik. Er balanciert sie sicher auf der Stirn, läuft dabei ein Leitergestell nach oben oder fährt Einrad. Sie zeigt in luftiger Höhe etwa Handstände. Die Staubertis sind nur an der Premiere dabei und reisen dann weiter zu ihrem Engagement beim Heilbronner Weihnachtscircus. Auch Natascha Wille teilt sich ihren Auftritt mit ihrer Nichte. Angel präsentiert zunächst vier Ponys in einer Freiheit, die mit einem Steiger endet. Dann reitet Natascha die Hohe Schule auf einem weißen Pferd. Ein braunes kommt hinzu und sie leitet es vom Sattel aus ebenfalls zu Schulschritten an. Das alles von den beiden Akteurinnen sehr charmant verkauft. Für seine Zauberei, bei der ein Halstuch von der Hosentasche einer Person in die einer anderen wandert, holt sich Alfons Wille nicht nur die Unterstützung seines Vaters Manuel Wille, der auch die Moderation der Vorstellung übernimmt, sondern bindet zwei prominente Premierengäste ein.


Sergio Ignacio Celdon Quezada, Mitglied von Bingo, Tetiana Kundyk

Hochspannung dann bei der Pausennummer. Sergio Ignacio Celdon Quezada und Partner wagen abgefahrene Touren auf dem Todesrad. Krönung sind drei Rückwärtssalti in Folge auf der Außenseite des rotierenden Rades. Der Hasardeur beherrscht noch spektakulärere Sprünge. Diese sind zumindest an diesem Abend nicht zu sehen, da das eigentliche Requisit nicht zur Verfügung steht und ein Ersatz zum Einsatz kommt. Im Januar geht es für diesen Act nach Monte Carlo. Teil zwei wird von den Bingo-Mitgliedern eröffnet. Zur Choreographie mit Tanz am Boden kommt Luftakrobatik an Bändern von einer Artistin. Das alles wieder sehr harmonisch und optisch sowie akustisch ein Genuss, dem Orchester sei Dank. Zumindest ein Hauch von Nachtclub-Atmosphäre kommt auf, wenn Tetiana Kundyk auf dem Schlappseil tanzt. Sie hält sich mit einem beneidenswerten Gleichgewichtssinn auf dem dünnen Draht in der Balance. Nicht nur das, sie zeigt auch einen Spagat und einen Schulterstand. Auf einem mit zwei seiner Beine auf dem Seil ruhenden Stuhl nimmt sie ebenfalls ganz entspannt Platz.


Manuel Frank, Angel Wille, Sascha

In seinem nächsten Auftritt musiziert Alfons Wille auf verschiedenen Instrumenten und gerät dabei spielerisch mit seinem Vater aneinander. Die zweite Pferdenummer der Show eröffnet Natascha Wille. Sie präsentiert vier Friesen und genauso viele quirlige Ponys in einer Freiheit. Dann übernimmt Manuel Frank die Friesen, zu denen sich nun vier Palominos gesellen. Er zeigt mit ihnen anspruchsvolle Lauffiguren, die an diesem Premierenabend noch nicht perfekt sitzen. Doch das wird sich ganz sicher bald ändern, denn wir haben von diesem Tiertrainer schon so viele grandiose Darbietungen erlebt. Die Nervosität der ersten Vorstellung wird schnell überwunden sein und die Freiheit wird voll und ganz überzeugen. Genauso wie die verschiedenen Steiger, die schon jetzt wunderbar gelingen. Angel Wille bezaubert einmal mehr mit ihrem Gesang. Ihr Medley gibt sie auf dem vorderen Manegenrand zum Besten. Es folgen die zweiten Special Guests. Lorenzo und Sascha - kurz das Duo L/S – haben sich der Diabolojonglage verschrieben. Versiert spielen sie sich gegenseitig die Doppelkegel zu. Immer mehr davon schicken sie auf fantastische Flüge durch die Luft. Den Abschluss bilden Touren mit beleuchteten Requisiten in der Dunkelheit.


Ayala-Truppe, Henry Ayala und Tetiana Kundyk

Mit der Ayala-Truppe ist für die standesgemäße Schlussnummer gesorgt. Was die vier Artisten ungesichert in großer Höhe zeigen, sucht seinesgleichen und strapaziert die Nerven der Zuschauer maximal. Wir erleben das Seilspringen, das Überspringen von zwei Partnern sowie die Fahrt auf dem Einrad im Zwei-Mann-Hoch mit Jonglage vom Obermann. Letzter Trick ist die Pyramide auf drei Etagen mit allen vier Akteuren. Das für mich spektakulärste Kunststück aber ist der Sprung eines Akrobaten von der Schulter eines Partners auf die Schulter eines anderen. Und das eben ohne Longe, Netz oder Luftkissen. Einen der waghalsigen Gleichgewichtskünstler haben wir während der Show schon des Öfteren erlebt und auf den unzähligen Plakaten gesehen. Henry Ayala ist als Clown das Gesicht der diesjährigen Ausgabe. Im Handumdrehen gewinnt er das Publikum und bringt es mit seinen Späßen zum Lachen. Beim Great Christmas Circus spielt er das Fangen eines Hutes mit einem Kind, das Konzert mit Glocken sowie den Striptease in Warnkleidung unter einer Diskokugel. Paradenummer ist aber das Spaghetti-Entree, bei dem Henry als Kellner den von seiner Frau Tetiana Kundyk dargestellten Gast bedient und ein Feuerwerk an Gags zündet. „Höhepunkt“ ist die Spaghettischlacht mit den Zuschauern.

Mit dem Great Christmas Circus bringt die Familie auch diesen Winter ganz großen Circus nach Frankfurt am Main. Es ist wieder eine Show auf hohem Niveau, die eine schöne Abwechslung zu der des Vorjahres bildet und die Erwartungen voll erfüllt. Dazu eben wunderbare Livemusik, ein starkes Licht und eine stimmige Regie. Was woanders die Begleitung der eigentlichen Vorstellung ist, ist hier ein elementarer Baustein zum Gesamterlebnis.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch