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Auch am
Lichtdesign wird nicht gespart. Für die Regie konnte einmal mehr
Joseph Bouglione gewonnen werden.
Ganz wichtig ist
der Familie Wille ebenfalls das Ambiente, sprich das Material.
Der eigene große Viermaster mit passendem Vorzelt ist schon von
Außen eine Augenweide. Die Lichterketten darauf strahlen weit
über den Platz hinaus und steigern die Vorfreude. Im Inneren des
Spielzelts dann unzählige Reihen mit blauen Klappsitzen, die von
der ersten Reihe an ansteigend verlaufen und beste Sicht
ermöglichen. Der geschmackvolle Artisteneingang beheimatet über
der roten Gardine das Orchester.

Orchester
unter der Leitung von Petru Haruta
Beim Programm, welches immer schon recht frühzeitig kommuniziert
wird, ergaben sich im Vorfeld noch Änderungen. Die am
Premierenabend gezeigte Show wird einmalig bleiben. Zwei der
Acts wurden kurzfristig einzig für den Auftakt gebucht. Eine der
geplanten Darbietungen, das Duo Polishchuk an den Strapaten,
wird dafür erst ab der kommenden Woche zu sehen sein. Inklusive
Pause dauerte die Premiere rund drei Stunden und 15 Minuten. Und
die verliefen durchaus kurzweilig, wenngleich Ansätze zum Kürzen
offensichtlich wurden.
  
Mitglied
von Bingo, Sara Polach, Rubel Medini
Der wichtigste
gleich zum Start. Statt mit dem Opening durch Bingo zu beginnen,
hören wir zunächst einen Monolog aus dem Off, in dem Alfons
Wille an seinen Großvater erinnert, den er nie kennengelernt
hat. Dann hat das junge Mitglied der Direktionsfamilie seinen
ersten von mehreren Auftritten. Erst danach kommt der
eigentliche, rundum gelungene Auftakt der Show. Acht hübsche
Artistinnen vom Circus Theater aus Kiew holen uns sehr
schwungvoll ab in die Welt des Circus. Es ist eine dynamische
Melange aus Luft-, Handstand- und Einradakrobatik sowie Tanz.
Verpackt in eine stimmige Choreographie, dazu schöne Kostüme und
eben die fantastische Livemusik. Vor einem Jahr konnten wir hier
Helena Polach mit Fußballjonglagen erleben. Nun steht ihre
Tochter Sara in der gleichen Disziplin im Scheinwerferlicht. Der
Nachwuchs macht seine Sache ganz wunderbar. Bis zu fünf Bälle
hält Sara gleichzeitig in der Luft. Das variantenreiche Spiel
mit den Requisiten klappt genauso gut wie das mit dem Publikum.
In der Sommersaison 2025 traten Mutter und Tochter gemeinsam im
Sirkus Finlandia auf. Rasant geht es weiter. Rubel Medini
präsentiert seine Akrobatik auf der Rola Rola sehr flott. Der
Italiener springt auf einem auf einer Walze liegenden Brett
Seil, stapelt immer mehr kleine Tische übereinander oder hält
sich aus einem Turm von Rollen souverän im Gleichgewicht. Der
mehrfache Weltrekordhalter serviert seine Kunst sehr gewinnend.
  
Jamena
Wille, Natascha Wille, Alfons Wille
Jamena Wille zieht
die Augen der Gäste Richtung Kuppel. In ihrer Kür an den Tüchern
serviert sie uns schöne Bilder bei akrobatischen Posen sowie
Flugsequenzen. Ob man beim Duo Stauberti nach oben oder nach
unten schaut, kann man sich quasi aussuchen. Am Boden sieht man
Dimitri und oben seine Nichte Nancy. Dazwischen befindet sich
eine lange Metallstange, denn ihr Metier ist die Percheakrobatik.
Er balanciert sie sicher auf der Stirn, läuft dabei ein
Leitergestell nach oben oder fährt Einrad. Sie zeigt in luftiger
Höhe etwa Handstände. Die Staubertis sind nur an der Premiere
dabei und reisen dann weiter zu ihrem Engagement beim
Heilbronner Weihnachtscircus. Auch Natascha Wille teilt sich
ihren Auftritt mit ihrer Nichte. Angel präsentiert zunächst vier
Ponys in einer Freiheit, die mit einem Steiger endet. Dann
reitet Natascha die Hohe Schule auf einem weißen Pferd. Ein
braunes kommt hinzu und sie leitet es vom Sattel aus ebenfalls
zu Schulschritten an. Das alles von den beiden Akteurinnen sehr
charmant verkauft. Für seine Zauberei, bei der ein Halstuch von
der Hosentasche einer Person in die einer anderen wandert, holt
sich Alfons Wille nicht nur die Unterstützung seines Vaters
Manuel Wille, der auch die Moderation der Vorstellung übernimmt,
sondern bindet zwei prominente Premierengäste ein.
  
Sergio
Ignacio Celdon Quezada, Mitglied von Bingo, Tetiana Kundyk
Hochspannung dann
bei der Pausennummer. Sergio Ignacio Celdon Quezada und Partner
wagen abgefahrene Touren auf dem Todesrad. Krönung sind drei
Rückwärtssalti in Folge
auf der Außenseite des rotierenden Rades. Der Hasardeur
beherrscht noch spektakulärere Sprünge. Diese sind zumindest an
diesem Abend nicht zu sehen, da das eigentliche Requisit nicht
zur Verfügung steht und ein Ersatz zum Einsatz kommt. Im Januar
geht es für diesen Act nach Monte Carlo. Teil zwei wird von den
Bingo-Mitgliedern eröffnet. Zur Choreographie mit Tanz am Boden
kommt Luftakrobatik an Bändern von einer Artistin. Das alles
wieder sehr harmonisch und optisch sowie akustisch ein Genuss,
dem Orchester sei Dank. Zumindest ein Hauch von
Nachtclub-Atmosphäre kommt auf, wenn Tetiana Kundyk auf dem
Schlappseil tanzt. Sie hält sich mit einem beneidenswerten
Gleichgewichtssinn auf dem dünnen Draht in der Balance. Nicht
nur das, sie zeigt auch einen Spagat und einen Schulterstand.
Auf einem mit zwei seiner Beine auf dem Seil ruhenden Stuhl
nimmt sie ebenfalls ganz entspannt Platz.
  
Manuel
Frank, Angel Wille, Sascha
In seinem nächsten
Auftritt musiziert Alfons Wille auf verschiedenen Instrumenten
und gerät dabei spielerisch mit seinem Vater aneinander. Die
zweite Pferdenummer der Show eröffnet Natascha Wille. Sie
präsentiert vier Friesen und genauso viele quirlige Ponys in
einer Freiheit. Dann übernimmt Manuel Frank die Friesen, zu
denen sich nun vier Palominos gesellen. Er zeigt mit ihnen
anspruchsvolle Lauffiguren, die an diesem Premierenabend noch
nicht perfekt sitzen. Doch das wird sich ganz sicher bald
ändern, denn wir haben von diesem Tiertrainer schon so viele
grandiose Darbietungen erlebt. Die Nervosität der ersten
Vorstellung wird schnell überwunden sein und die Freiheit wird
voll und ganz überzeugen. Genauso wie die verschiedenen Steiger,
die schon jetzt wunderbar gelingen. Angel Wille bezaubert einmal
mehr mit ihrem Gesang. Ihr Medley gibt sie auf dem vorderen
Manegenrand zum Besten. Es folgen die zweiten Special Guests.
Lorenzo und Sascha - kurz das Duo L/S – haben sich der
Diabolojonglage verschrieben. Versiert spielen sie sich
gegenseitig die Doppelkegel zu. Immer mehr davon schicken sie
auf fantastische Flüge durch die Luft. Den Abschluss bilden
Touren mit beleuchteten Requisiten in der Dunkelheit.

Ayala-Truppe, Henry Ayala und Tetiana Kundyk
Mit der
Ayala-Truppe ist für die standesgemäße Schlussnummer gesorgt.
Was die vier Artisten ungesichert in großer Höhe zeigen, sucht
seinesgleichen und strapaziert die Nerven der Zuschauer maximal.
Wir erleben das Seilspringen, das Überspringen von zwei Partnern
sowie die Fahrt auf dem Einrad im Zwei-Mann-Hoch mit Jonglage
vom Obermann. Letzter Trick ist die Pyramide auf drei Etagen mit
allen vier Akteuren. Das für mich spektakulärste Kunststück aber
ist der Sprung eines Akrobaten von der Schulter eines Partners
auf die Schulter eines anderen. Und das eben ohne Longe, Netz
oder Luftkissen. Einen der waghalsigen Gleichgewichtskünstler
haben wir während der Show schon des Öfteren erlebt und auf den
unzähligen Plakaten gesehen. Henry Ayala ist als Clown das
Gesicht der diesjährigen Ausgabe. Im Handumdrehen gewinnt er das
Publikum und bringt es mit seinen Späßen zum Lachen. Beim Great
Christmas Circus spielt er das Fangen eines Hutes mit einem
Kind, das Konzert mit Glocken sowie den Striptease in
Warnkleidung unter einer Diskokugel. Paradenummer ist aber das
Spaghetti-Entree, bei dem Henry als Kellner den von seiner Frau
Tetiana Kundyk dargestellten Gast bedient und ein Feuerwerk an
Gags zündet. „Höhepunkt“ ist die Spaghettischlacht mit den
Zuschauern. |