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Dresdner Weihnachts-Circus 2025/26
www.dwc.de ; 100 Showfotos

Dresden, 18. Dezember 2025: Hier ist alles groß, es erschlägt einen fast. Ganze vier Zelte mit verschiedenen Maßen prägen das imposante Bild des Dresdner Weihnachts-Circus von außen. Das größte der „Vorzelte“ ist ein ehemaliges Chapiteau vom Zirkus Probst und beherbergt den Kern der Restauration. Darin vor der Vorstellung Massen von Menschen, die Show an diesem Nachmittag ist ausverkauft. Das Spielzelt hat ebenfalls beeindruckende Maße. Ebenso der Artisteneingang, der für Videoeinspielungen genutzt wird. Und last not least wird auch beim Programm geklotzt, nicht gekleckert.

Doch der Reihe nach. Der Weg zum Dresdner Weihnachts-Circus ist seit meinem letzten Besuch 2022 aufwendiger geworden. Aufgrund der Hochwassergefahr am Elbufer steht das Unternehmen jetzt etwas weiter außerhalb an der Washingtonstraße nahe eines Einkaufszentrums. Die Straßenbahn hält vor der Tür. Am Material lässt sich ein wenig die Geschichte dieses Weihnachtscircus ablesen. Auf den Masten des ehemaligen Probst-Chapiteaus finden sich die von Busch-Roland bekannten Laternen. Letzterer begründete die Tradition, die jetzt ihre 28. Spielzeit feiert. Das Chapiteau stammt aus der Zeit, als Mario Müller-Milano den Circus leitete. Inzwischen haben die Gebrüder Köllner die Direktion übernommen.


Zeltanlagen des Dresdner Weihnachts-Circus

Der Weg zum Sitzplatz führt zunächst durch ein kleines Zelt, das weihnachtlich dekoriert ist. Noch opulenter ist die Deko im großen Gastronomiezelt. Das kulinarische Angebot ist ringsum platziert und lässt keine Wünsche offen. Wer Speisen und Getränke im Sitzen genießen will, kann dies in einem weiteren Zelt tun. Dort findet sich zudem ein Cafewagen. Im Chapiteau dann ebenfalls echte Großcircus-Optik. Unzählige Reihen Schalensitze und Stühle auf dem Gradin sowie in der Loge laden bis zu 2.400 Zuschauer zum Genießen der Show ein. Über dem großen Artisteneingang thront das Orchester unter der Leitung von Milosz Rafael Potoczny. Auf dem Entree werden während der Shows Animationen eingespielt, zudem werden Namen und Auszeichnungen der gerade auftretenden Darbietung angezeigt. Alles sehr professionell, für meinen Geschmack aber teilweise too much. So sieht man etwa die Ikarier schwer, weil sie sich kaum vom Bühnenbild abheben. Die an der Seite sitzenden Zuschauer können das Geschehen in der Manege via Livebild auf zwei zusätzlichen Screens verfolgen.


Team von Laszlo Simet, Jimmy Saylon, Sergio Paolo

Bei der Programmkonzeption sind die Gebrüder Köllner der bekannten Linie treu geblieben. In Dresden wird nach wie vor der echte Großcircus gefeiert. Dies sogar mit Raubtieren, inzwischen eine echte Rarität. Moderiert wird die Show von Sascha und William Köllner in schicken Smokings. Zum Opening begrüßen uns Sänger Severino Seeger, Sieger der zwölften DSDS-Staffel, sowie die sechs Tänzerinnen des Flash of Splash-Balletts. Natürlich begleitet vom wunderbar spielenden Orchester. Währenddessen ist das Requisit für die erste Nummer bereits aufgebaut, die von silber funkelnden Figuranten in der Luft eingeleitet wird.. Das Semaphore hat in der Tat beeindruckende Ausmaße. Die drei Artisten aus dem Team von Laszlo Simet nehmen uns mit ins Weltall. Sie balancieren auf der Mischung aus Todesrad und Hochseil waghalsig in Astronauten-Outfits. Sie fahren darauf Fahrrad oder laufen im Zwei-Personen-Hoch. Laszlo Simet selbst steuert den Apparat vom Boden aus. Für Großillusionen in Steampunk-Optik steht Jimmy Saylon. Zusammen mit seinen Magic Girls verzaubert der Italiener das Publikum. Sie lassen sich gegenseitig verschwinden, um dann auf wundersame Weise wieder zu erscheinen. Das alles sehr liebevoll und mit Wow-Effekt in Szene gesetzt. So richtig in Schwung kommt die Show dann dank Sergio Paolo. Der Bouncing-Jongleur schickt seine Bälle auf immer abgefahrenere Touren und läuft dabei mal eben ganz locker eine Treppe hinunter. Das alles macht er mit der Lebensfreude seiner südamerikanischen Heimat. Ein echter Showman eben. Als Zugabe lässt er seine Bälle unter einer Tischplatte tanzen und versenkt sie dann in einem Basketballnetz.


Adrien, Renaldo Weisheit

Die Clowns Tom und Pepe kennen wir etwa von den Wintershows des Circus Krone. In Dresden erleben wie sie gemeinsam mit Weißclown Adrien als Trio Les Payatz. Ihren ersten Auftritt haben sie auf dem Gradin. Es ist eine Kabbelei darum, wer wo welche Musik machen darf. Formvollendet im Frack führt Renaldo Weisheit seine Pferdefreiheit vor. Diese besteht aus jeweils vier Friesen und weißen Arabern. Wir erleben eine anspruchsvolle Dressurfolge, die wie am Schnürchen abläuft. Melodien aus dem Musical „Phantom der Oper“ bilden die musikalische Begleitung. Einige Sequenzen laufen in Dunkeln, wobei die Geschirre der Tiere leuchten. Verschiedenen Steiger bilden die Da Capi. Dann dürfen die Clowns die Manege erobern. Es wird im Duo und Trio musiziert. Ein Herr aus dem Publikum darf die Trommel schlagen, während Tom und Pepe auf Klarinetten spielen. In diese Szene sind wunderbar gespielte Gags eingebaut, sodass der Spaß nicht zu kurz kommt. Der erste Teil endet mit der Wuhan Acrobatic Troupe. Deren Mitglieder springen elegant durch Reifen verschiedener Größen, die sich wiederum in unterschiedlichen Höhen befinden. Das Flugtrapez der Flying Martini ist zumindest an diesem Nachmittag nicht zu sehen, wenngleich ihr Apparat unter der Kuppel hängt. Die Ankündigung der Pause übernehmen Tom und Pepe mit einem Spezialgefährt sowie Sascha Köllner.


Löwe aus der Gruppe von Denny Montico, Segura Brothers, Duo Kyrioz

Zu Beginn des zweiten Teils ist der Zentralkäfig aufgebaut. Darin erleben wir Denny Montico mit einem Mähnenlöwen und vier Tigern. In der harmonischen Dressur bilden die Großkatzen etwa eine Pyramide und überspringen sich gegenseitig. Einer der Tiger läuft auf den Hinterbeinen. Das alles geschieht ruhig und entspannt. Die Partnerschaft zwischen Mensch und Tier wird deutlich sichtbar. Während die Gitterelemente abgebaut werden, unterhalten uns Severino Seeger und das Ballett. Anschließend versuchen Tom und Pepe im Zuschauerraum einen riesigen Turm bunter Weihnachtsgeschenke zuzustellen. Mit den Segura Brothers geht die Show rasant weiter. Die Brüder präsentieren ihre Ikarischen Spiele so, wie es sein soll: energiegeladen, charmant und sehr gekonnt. Bei den zig Salti zum Abschluss hat der Flieger sogar die Augen verbunden. Davor erleben wir variantenreiche Sprungkombinationen, die keine Wünsche offen lassen. Einzig der oben bereits erwähnte fehlende Kontrast zum Hintergrund trübt das Erleben. Ein Weihnachtscircus muss seinen Gästen jedes Jahr neue Attraktionen bieten. Das ist den Gebrüdern Köllner mit dem Engagement des Duo Kyrioz auf ganz besondere Weise gelungen. Was diese Artisten aus Mexiko zeigen, ist auch für weitgereiste Circusfans ein spannendes Erlebnis. 2022 waren sie mit ihren Balancen auf Kugeln beim Festival in Budapest. Das Herauflaufen eines runden, in der Mitte ansteigenden Kreises aus Schienen auf Kugeln ist nur die Einstimmung. Dann steht sie auf einer Kugel, die auf seinem Kopf ruht. So geht es eine Leiter hinauf und hinunter. Beim Finaltrick stehen beide auf einer Kugel. Seine ruht auf dem Boden, ihre auf dem Kopf des Partners.


Sascha Köllner, Kolev Sisters, Wuhan Acrobatic Troupe

Noch einmal sorgen Les Payatz für Heiterkeit. An einem Putzwagen vermehren sie auf wundersam Weise Weinflaschen. Beim Spiel mit Klopapierrollen darf auch das Publikum mitmachen. Es wird eine wilde Schlacht. Einen Goldenen Clown gab es für die Kolev Sisters beim Internationalen Circusfestival von Monte Carlo 2024. Jetzt beweisen sie in Dresden, dass sie vollkommen zu recht zu den weltbesten Equilibristinnen gehören. Mit Spitzentricks wie dem Kopfstand auf einem Fuß der Partnerin und dem einarmigen Handstand auf dem Nacken der ebenfalls auf den Händen stehenden Schwester faszinieren sie die Zuschauer. Frenetischer Applaus ist der verdiente Lohn. Der Wuhan Acrobatic Troupe gehört die Schlussnummer. Für die Artistik an der großen Schaukel gab es 2024 in Monte Carlo einen Silbernen Clown. Ob damals an der Cote d'Azur genau diese Artisten ausgezeichnet wurden, ist eine gute Frage. Inzwischen gibt es diese Darbietung mehr als einmal. Am Abend zuvor konnten wir eine weitere Ausgabe in Heilbronn sehen. Wie dem auch sei, schon das imposante Requisit macht Eindruck. Die weiten Sprünge, die die große Formation damit wagt, ebenfalls. Gelandet werden diese zunächst auf Matten und auf der oberen Etage von Menschentürmen. Im weiteren Verlauf wird eine Plattform über die Aufhängung der Schaukel geklappt. Die dort stehenden Partner fangen die Flieger ebenfalls auf. In der Tat eine außergewöhnliche Darbietung. Das folgende Finale eröffnen die Damen des Balletts und Severino Seeger. Er besingt den „Kreislauf des Lebens“ und „Proud Mary“, während alle Mitwirkenden in die Manege kommen und sich vom Publikum feiern lassen. Sascha und William Köllner erinnern in ihren Abschiedsworten daran, dass eine solch große Circusshow nur möglich ist, wenn das Publikum dies mit seinem Besuch honoriert.

Und das scheint auch in dieser Spielzeit wieder der Fall zu sein. Die Zuschauer strömen in Massen und sind offensichtlich höchst zufrieden. Das ist einmal mehr der Beweis dafür, dass der klassische Großcircus nach wie vor eine große Faszination ausüben kann. Insbesondere dann, wenn er so wie beim Dresdner Weihnachts-Circus präsentiert wird. Mit einem starken Programm, einem wunderbaren Orchester, einem ansprechenden Lichtdesign und einem aufwendig gestalteten Ambiente. Kurzum, mit viel Leidenschaft für den Circus.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch