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Die Mitglieder der Band finden sich des öfteren auf der Hauptbühne wieder. Schon
während des Einlasses unterhält uns die Formation Neelah mit
wunderbar interpretierten Songs. Das inzwischen bestens
vertraute Quartett mit neuem Drummer sorgt so für die perfekte
Einstimmung. Im Verlauf des Abends begleiten die Sängerin und
die Instrumentalisten die Darbietungen live, was diese enorm
aufwertet. Die Regie liegt wiederum bei Maik M. Paulsen und
Karl-Heinz Helmschrot.

Rosemie
Zum
Opening geleiten ihre Artistenkollegen die Moderatorin ins
Scheinwerferlicht und sprechen ihr Mut zu. Den erfordert es
durchaus, wenn man in diesem opulenten Showoutfit inklusive
extravagantem Kopfputz vor Publikum treten will. Noch dazu,
wenn darin eine grundsolide Schwäbin steckt. Diese wird in
genialer Weise von Rosemie verkörpert. Vor genau 20 Jahren war
sie schon einmal an dieser Stelle zu erleben. Damals noch mit
dem Familiennamen Warth. Ich hatte sie in allerbester
Erinnerung und mich wahnsinnig auf das Wiedersehen gefreut.
Und erneut ist es die reinste Freude, diese liebevoll
gespielte Figur zu erleben. Eben jene vermeintlich unbedarfte
Hausfrau, die sich in der Welt des Showbusiness wiederfindet.
Mit nach hinten gebundenen Haaren und einer Brille, die vor
allen Dingen ihren Zweck als Sehhilfe erfüllt und weniger ein
modisches Accessoire darstellt. Ihr Outfit wechselt zwischen
atemberaubender Bühnengarderobe und biederen Kleidern. Darin
erzählt uns die glühende Verfechterin der Kehrwoche aus
ihrer Welt, spielt Alphorn, zaubert oder steppt. Letzteres
auch gerne mithilfe von Bonbons, die sie virtuos im Mund
tanzen lässt. Ihre vermeintlich simplen Geschichten sind
hintergründig, sorgen für Lachen genauso wie für manchen
Denkanstoß. Man muss Rosemie einfach liebhaben. Ihr Humor ist
einzigartig und trifft den Geschmack der Premierengäste. Ich
habe mich wiederum bestens unterhalten gefühlt und unsere
zweite Begegnung in jedem Augenblick genossen. Dank Konfetti
sorgt Rosemie für „Stimmung“ und natürlich präsentiert sie uns
die „Höhepunkte“ der Show.
 
Antje
Pode, Ilja Smyslov
Der erste
war ebenfalls in jenem Varieté-Herbst 2005 dabei. Damals
erlebten wir Antje Pode am Vertikalseil. Jetzt beginnt ihr
Auftritt mit einer Bahnhofsszene. Menschen laufen umher,
telefonieren und tragen Koffer mit sich herum. Genau diese
Gepäckstücke sind nun ihre Requisiten. Sie dienen als Trinka
und Jonglierobjekte, die sie mit ihren Füßen durch die Luft
fliegen lässt - Antipodenspiele der ganz besonderen Art. Einen
großen, einen kleinen Koffer und ihre Handtasche jongliert sie
geschickt mit den Füßen, Bälle dazu mit den Händen. Ein Herr
aus dem Intro hat die Bühne nicht verlassen. Es ist eine
Puppe, die von Antje Pode nun ebenfalls auf rasante Flugbahnen
katapultiert wird. Diese Ikarischen Spiele begleitet
Neelah-Sängerin Nicole Siegel mit Herbert Grönemeyers
„Männer“. Aus München angereist ist Ilja Smyslov. Dort war er
kurz zuvor noch bei Roncalli in den märchenhaften
Großillusionen seiner Partnerin Alexandra Saabel zu sehen.
Jetzt begeistert er im Solo mit seinen Jonglagen. Die gelben
Bälle wirft er sowohl nach oben als auch zum Boden. Es ist
somit eine Mischung aus herkömmlichen und Bouncing-Jonglagen.
Diese präsentiert der sympathische Artist mit viel Energie.
Immer mehr Bälle lässt er in immer neuen Variationen äußerst
gekonnt fliegen.
 
Yulia
Rasshivkina, Charlie Mag
Volle
Power auch bei Yulia Rasshivkina. Die blonde Artistin hält
Hula-Hoop-Reifen mit den verschiedensten Körperteilen in
Bewegung. Das schafft sie mit den Beinen genauso wie mit den
Armen oder der Hüfte. Dabei flirtet sie sehr charmant mit dem
Publikum. Das stimmungsvolle Lichtdesign fördert diese
knisternde Stimmung. Geheimnisvoll gibt sich hingegen Charlie
Mag. Ganz in schwarz gekleidet lässt er zunächst zwei rot
leuchtende Stäbe auf den verschiedensten Bahnen um sich herum
kreisen. Zauberei? Die Frage stellt sich erst recht, wenn der
junge Spanier Spielkarten manipuliert. Quasi aus dem Nichts
lässt er unzählige davon erscheinen. Nicht minder
geheimnisvoll ist sein Spiel mit Rosen. Mit kleinen und großen
Konfetti sorgt der Magier für zusätzliche Effekte. Wie er all
das macht, bleibt sein Geheimnis. Darüber rätseln können die
Zuschauer in der folgenden Pause. In diese geht es mit einem
schönen Gruppenbild. Das entsteht, nachdem Ensemblemitglieder
Showgirl Rosemie auf einen Hocker geholfen haben.
 
Marina Skulditskaya und Aaron Poellet, Anna Abrams
Schon die
Handstandakrobatik von Marina Skulditskaya alleine ist absolut
sehenswert. Ein Traum wird sie durch die fantastische
Beleuchtung und das Klavierspiel von Aaron Poellet auf der
Hauptbühne. Der Clou aber ist das Podest, auf dem ihre
Handstäbe montiert sind. Zunächst dreht es sich, im zweiten
Teil ihrer Nummer bläst von unten Luft. Dadurch fliegt ihr
langes Haar. Die Intensität des Gebläses ist genau so
eingestellt, dass wunderschöne Bilder entstehen. Bilder, die
mit den im Mittelpunkt stehenden starken Figuren der
Equilibristik eine harmonische Einheit bilden, ein
Gesamtkunstwerk. Nachdem Rosemie mithilfe eines
handelsüblichen Föns versucht hat, es Marina Skulditskaya
gleichzutun und dabei nur mäßigen Erfolg hat, gehört die
Bühne Anna Abrams. Doch den Boden betritt sie nur kurz,
schnell geht es für die Akrobatin ans Vertikalseil. Wenngleich
sie direkt unter der Decke des Saals startet, wirken ihre
ohnehin schon riskanten Touren nach unten noch gewagter als
etwa in einem großen Chapiteau. Sie fliegt regelrecht durch
die Luft und stoppt erst knapp über dem Bühnenboden. Dabei
kostet der Weg nach oben schon viel Kraft. Bei Anna Abrams
sieht das alles ganz leicht aus. Eine sehr individuelle,
starke Kür in rot, die ebenfalls von Aaron Poellet am Piano
begleitet wird.
 
Rosemie, David Burlet
Das Kleid
mit Tigermuster behält Rosemie bei ihrem nächsten Einsatz nur
kurz an, dann wird das Outfit noch verruchter. Auf Tuba und
Küchenwaschbecken präsentiert sie uns ihre Version von Heavy
Metall. Das zweite „l“ ist hier Programm. Mit Porzellan hat
es David Burlet zu tun. Am Ende seines turbulenten Auftritts
tanzen acht Teller auf dünnen Stäben. Bis es soweit ist, wirft
er geschickt mehrere Löffel in auf einem Tablett platzierte
Gläser, balanciert einen Turm aus Zigarrenkistchen auf seinem
Kinn und jongliert mit Plastiktellern. Das Ganze präsentiert
der Franzose im blauen Anzug irre komisch, unwahrscheinlich
rasant und natürlich sehr gekonnt. Zum Finale hat Rosemie
nochmal ein wahres Schmuckstück aus ihrem Kleiderschrank
geholt. Zunächst zaubert sie, dann gibt es eine ruhige Szene
auf einem Sofa. Mit dabei ist Hakan, der Herr aus der ersten
Reihe. Er hatte schon zuvor mehrere Einsätze. |