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Neues Theater - Varieté-Herbst 2025
www.neues-theater.de - 132 Showfotos

Frankfurt-Höchst, 5. November 2025: Dieser Varieté-Herbst im Neuen Theater ist wieder ein Fest für alle Höchst-Traditionalisten. Die Show ist verdammt nah am Standard vergangener Tage, dem Nummernprogramm mit Conferencier. Verstaubt wird es deswegen in keinster Weise. Denn auch diese Produktion zeichnet sich durch Kreativität, wunderbare Einfälle sowie Ensembleszenen und jenen besonderen Twist aus, der hier Einzug gehalten hat, seit Maik M. Paulsen für die Programme verantwortlich ist. Zudem bekommt die Musik einen ganz besonderen Stellenwert.

Die Mitglieder der Band finden sich des öfteren auf der Hauptbühne wieder. Schon während des Einlasses unterhält uns die Formation Neelah mit wunderbar interpretierten Songs. Das inzwischen bestens vertraute Quartett mit neuem Drummer sorgt so für die perfekte Einstimmung. Im Verlauf des Abends begleiten die Sängerin und die Instrumentalisten die Darbietungen live, was diese enorm aufwertet. Die Regie liegt wiederum bei Maik M. Paulsen und Karl-Heinz Helmschrot.


Rosemie

Zum Opening geleiten ihre Artistenkollegen die Moderatorin ins Scheinwerferlicht und sprechen ihr Mut zu. Den erfordert es durchaus, wenn man in diesem opulenten Showoutfit inklusive extravagantem Kopfputz vor Publikum treten will. Noch dazu, wenn darin eine grundsolide Schwäbin steckt. Diese wird in genialer Weise von Rosemie verkörpert. Vor genau 20 Jahren war sie schon einmal an dieser Stelle zu erleben. Damals noch mit dem Familiennamen Warth. Ich hatte sie in allerbester Erinnerung und mich wahnsinnig auf das Wiedersehen gefreut. Und erneut ist es die reinste Freude, diese liebevoll gespielte Figur zu erleben. Eben jene vermeintlich unbedarfte Hausfrau, die sich in der Welt des Showbusiness wiederfindet. Mit nach hinten gebundenen Haaren und einer Brille, die vor allen Dingen ihren Zweck als Sehhilfe erfüllt und weniger ein modisches Accessoire darstellt. Ihr Outfit wechselt zwischen atemberaubender Bühnengarderobe und biederen Kleidern. Darin erzählt uns die glühende Verfechterin der Kehrwoche aus ihrer Welt, spielt Alphorn, zaubert oder steppt. Letzteres auch gerne mithilfe von Bonbons, die sie virtuos im Mund tanzen lässt. Ihre vermeintlich simplen Geschichten sind hintergründig, sorgen für Lachen genauso wie für manchen Denkanstoß. Man muss Rosemie einfach liebhaben. Ihr Humor ist einzigartig und trifft den Geschmack der Premierengäste. Ich habe mich wiederum bestens unterhalten gefühlt und unsere zweite Begegnung in jedem Augenblick genossen. Dank Konfetti sorgt Rosemie für „Stimmung“ und natürlich präsentiert sie uns die „Höhepunkte“ der Show.


Antje Pode, Ilja Smyslov

Der erste war ebenfalls in jenem Varieté-Herbst 2005 dabei. Damals erlebten wir Antje Pode am Vertikalseil. Jetzt beginnt ihr Auftritt mit einer Bahnhofsszene. Menschen laufen umher, telefonieren und tragen Koffer mit sich herum. Genau diese Gepäckstücke sind nun ihre Requisiten. Sie dienen als Trinka und Jonglierobjekte, die sie mit ihren Füßen durch die Luft fliegen lässt - Antipodenspiele der ganz besonderen Art. Einen großen, einen kleinen Koffer und ihre Handtasche jongliert sie geschickt mit den Füßen, Bälle dazu mit den Händen. Ein Herr aus dem Intro hat die Bühne nicht verlassen. Es ist eine Puppe, die von Antje Pode nun ebenfalls auf rasante Flugbahnen katapultiert wird. Diese Ikarischen Spiele begleitet Neelah-Sängerin Nicole Siegel mit Herbert Grönemeyers „Männer“. Aus München angereist ist Ilja Smyslov. Dort war er kurz zuvor noch bei Roncalli in den märchenhaften Großillusionen seiner Partnerin Alexandra Saabel zu sehen. Jetzt begeistert er im Solo mit seinen Jonglagen. Die gelben Bälle wirft er sowohl nach oben als auch zum Boden. Es ist somit eine Mischung aus herkömmlichen und Bouncing-Jonglagen. Diese präsentiert der sympathische Artist mit viel Energie. Immer mehr Bälle lässt er in immer neuen Variationen äußerst gekonnt fliegen.


Yulia Rasshivkina, Charlie Mag

Volle Power auch bei Yulia Rasshivkina. Die blonde Artistin hält Hula-Hoop-Reifen mit den verschiedensten Körperteilen in Bewegung. Das schafft sie mit den Beinen genauso wie mit den Armen oder der Hüfte. Dabei flirtet sie sehr charmant mit dem Publikum. Das stimmungsvolle Lichtdesign fördert diese knisternde Stimmung. Geheimnisvoll gibt sich hingegen Charlie Mag. Ganz in schwarz gekleidet lässt er zunächst zwei rot leuchtende Stäbe auf den verschiedensten Bahnen um sich herum kreisen. Zauberei? Die Frage stellt sich erst recht, wenn der junge Spanier Spielkarten manipuliert. Quasi aus dem Nichts lässt er unzählige davon erscheinen. Nicht minder geheimnisvoll ist sein Spiel mit Rosen. Mit kleinen und großen Konfetti sorgt der Magier für zusätzliche Effekte. Wie er all das macht, bleibt sein Geheimnis. Darüber rätseln können die Zuschauer in der folgenden Pause. In diese geht es mit einem schönen Gruppenbild. Das entsteht, nachdem Ensemblemitglieder Showgirl Rosemie auf einen Hocker geholfen haben.


Marina Skulditskaya und Aaron Poellet, Anna Abrams

Schon die Handstandakrobatik von Marina Skulditskaya alleine ist absolut sehenswert. Ein Traum wird sie durch die fantastische Beleuchtung und das Klavierspiel von Aaron Poellet auf der Hauptbühne. Der Clou aber ist das Podest, auf dem ihre Handstäbe montiert sind. Zunächst dreht es sich, im zweiten Teil ihrer Nummer bläst von unten Luft. Dadurch fliegt ihr langes Haar. Die Intensität des Gebläses ist genau so eingestellt, dass wunderschöne Bilder entstehen. Bilder, die mit den im Mittelpunkt stehenden starken Figuren der Equilibristik eine harmonische Einheit bilden, ein Gesamtkunstwerk. Nachdem Rosemie mithilfe eines handelsüblichen Föns versucht hat, es Marina Skulditskaya gleichzutun und dabei nur mäßigen Erfolg hat, gehört die Bühne Anna Abrams. Doch den Boden betritt sie nur kurz, schnell geht es für die Akrobatin ans Vertikalseil. Wenngleich sie direkt unter der Decke des Saals startet, wirken ihre ohnehin schon riskanten Touren nach unten noch gewagter als etwa in einem großen Chapiteau. Sie fliegt regelrecht durch die Luft und stoppt erst knapp über dem Bühnenboden. Dabei kostet der Weg nach oben schon viel Kraft. Bei Anna Abrams sieht das alles ganz leicht aus. Eine sehr individuelle, starke Kür in rot, die ebenfalls von Aaron Poellet am Piano begleitet wird.


Rosemie, David Burlet

Das Kleid mit Tigermuster behält Rosemie bei ihrem nächsten Einsatz nur kurz an, dann wird das Outfit noch verruchter. Auf Tuba und Küchenwaschbecken präsentiert sie uns ihre Version von Heavy Metall. Das zweite „l“ ist hier Programm. Mit Porzellan hat es David Burlet zu tun. Am Ende seines turbulenten Auftritts tanzen acht Teller auf dünnen Stäben. Bis es soweit ist, wirft er geschickt mehrere Löffel in auf einem Tablett platzierte Gläser, balanciert einen Turm aus Zigarrenkistchen auf seinem Kinn und jongliert mit Plastiktellern. Das Ganze präsentiert der Franzose im blauen Anzug irre komisch, unwahrscheinlich rasant und natürlich sehr gekonnt. Zum Finale hat Rosemie nochmal ein wahres Schmuckstück aus ihrem Kleiderschrank geholt. Zunächst zaubert sie, dann gibt es eine ruhige Szene auf einem Sofa. Mit dabei ist Hakan, der Herr aus der ersten Reihe. Er hatte schon zuvor mehrere Einsätze.

Am Ende sind noch einmal alle Mitwirkenden auf der Bühne, es gibt Blumen. Überreicht werden sie von den Menschen, die diese Varieté-Produktionen im Hintergrund möglich machen. Auch die Technikcrew bekommt ihren höchst verdienten Applaus. Überhaupt feiern die Gäste die Show regelrecht. Das ist einmal mehr höchst verdient. Die Produktion ist wiederum genial gelungen. Und das wird honoriert – durch Beifall ebenso wie durch traumhafte Vorverkaufszahlen und letztendlich durch eine sensationelle Auslastung über den gesamten Monat. Wunderbar zu sehen, dass die leidenschaftliche Arbeit, die das alles möglich macht, so (wert-)geschätzt wird.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch