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Varieté unter Sternen - Dreieich 2026
www.burgfestspiele-dreieichenhain.de - 138 Showfotos

Dreieich, 5. August 2026: „Moin“, so flott geht die Begrüßung, wenn der Gastgeber aus dem Norden kommt. Und daher, genauer aus Hamburg, stammt Jan Logemann. Nachdem die Moderation in den letzten beiden Jahren in Schweizer Händen lag, wird das „Varieté unter Sternen“ jetzt von einem Hanseaten präsentiert. Mit dem großgewachsenen Blondschopf unternehmen die Gäste der Burgfestspiele Dreieichenhain eine Reise durch die internationale Artistenwelt. Alle fünf Abende sind bereits lange im Voraus ausgebucht. Die Zuschauer wissen inzwischen, was sie hier erwartet: ein starkes, abwechslungsreiches und immer wieder überraschendes Programm. Es wird jedes Jahr neu zusammengestellt.

Dies schließt Abnutzungseffekte quasi aus. „Eine Eigenproduktion der Bürgerhäuser Dreieich“, heißt es dazu auf dem Flyer. Maria Ochs und ihr Team machen sich immer wieder auf die Suche nach neuen, spannenden Künstlern und sind auch 2026 wieder fündig geworden. Die Burgruine gibt dazu eine ansprechende Kulisse ab. Nicht minder imposant ist der Blick von der Bühne auf die große Zuschauertribüne sowie die Stühle auf dem Boden.


Blick auf die Zuschauertribüne beim Einlass

Dass die Mitwirkenden unzählige Preise eingeheimst haben, darauf weist Jan Logemann kurz pauschal hin, nennt aber keine der Auszeichnungen explizit. Das würde vermutlich den Rahmen sprengen und für Längen sorgen. Die Gäste spüren auch so, dass hier Spitzenvertreter des jeweiligen Fachs zugegen sind. Die Mischung passt, das Niveau bleibt über den Abend konstant hoch, für eine starke, originelle Schlussnummer ist ebenfalls gesorgt.


Jan Logemann

Im Opening stellen sich alle Mitwirkenden vor, zeigen erste Proben ihrer Kunst. Die Choreographie hat, genauso wie beim Finale, Samira Buchner übernommen. Dann treffen wir erstmalig Jan Logemann, der uns mit Witz und Zauberei durch den Abend führt. Zumeist sind es Kartentricks, mit denen er die Besucher verblüfft. Was zunächst recht konventionell klingt, erweist sich bald als gelungene Mischung. Gerne geht der Entertainer auf Tuchfühlung mit dem Publikum und holt einzelne davon auf die Bühne. Endgültig mein Herz gewinnt er, wenn er mittels einer (eher gemütlichen) Quick-Change-Illusion im Ganzkörperkostüm die Obstsorte darstellt, an die der Zuschauer gerade gedacht hat. Zwar liegt der Magier zunächst daneben, doch der Trick ist noch lange nicht vorbei und nimmt eine überraschende Wendung mit Happy End. Auch die weiteren Zaubereien sorgen für Staunen und gemeinsam mit den eingestreuten Gags für Unterhaltung. Zudem ist Jan Logemann ein charmanter und überaus sympathischer Zeitgenosse.


Antonia Bärk, Peter Shub

Als erste Artistin kündigt er Antonia Bärk an, die während der Anmoderation bereits erste Runden auf der überdachten Bühne dreht. Denn als Requisit hat sie sich ein Fahrrad ausgesucht. Vom Kunstradsport hat sie den Sprung in die Showbranche erfolgreich gemeistert. Dies unter anderem durch den Besuch kanadischer Circusschulen. So begeistert sie uns mit äußerst überzeugenden Tricks. Sie fährt etwa auf Sattel und Lenker stehend, im Kopfstand auf dem Sattel oder auf dem Lenker stehend, während sie um die eigene Achse rotiert. Meine erste Begegnung mit Peter Shub hatte ich 1989 in Heidelberg. Damals besuchte ich meine erste Roncalli-Vorstellung und der US-amerikanische Comedian war im Programm. Und er tritt nach wie vor mit Hut und in hellem Trenchcoat auf. Einige der Gags von damals hat er auch in Dreieich im Repertoire. Etwa den Spaziergang mit einem imaginären Hund oder ein recht ungewöhnliches Fotoshooting mit einer Kamera im Format XS. Zudem erleben wir weitere Szenen wie den Kampf mit einem Maßband aus Metall oder das Aufhängen des Trenchcoats inklusive Inhalt an einer Kleiderstange. Das alles spielt Peter Shub mit seiner unnachahmlichen Gestik und Mimik, einfach genial. Natürlich ist auch das Timing auf den Punkt. Das Publikum gewinnt er so im Handumdrehen für sich.


Duo EINZ, Juma

Höchst originell geht es weiter im Programm. Mit Keulen, Ringen oder Bällen jonglieren viele, mit Sektflaschen nur die wenigsten. Esther und Jonas Slanzi gehören dazu. Zumeist lassen sie ihre Requisiten nicht durch die Luft fliegen, sondern schicken sie auf kontrollierte Touren über einen schräg gestellten Tisch. Oftmals geht es für die Flaschen im Kreis über die Platte. Das Duo EINZ verkauft seine Kunst voller Energie und höchst sympathisch. Immer sind sie in Bewegung, immer wieder überraschen sie mit originellen Einlagen. Am Ende wagt Jonas Slanzi sogar den Flaschenlauf. Und letztendlich sorgen die beiden dafür, dass die Schweiz auch in dieser Ausgabe des „Varieté unter Sternen“ vertreten ist. Inmitten der Zuschauer startet Juma seinen Auftritt. Fröhlich winkend nimmt er den Mittelgang Richtung Bühne und begrüßt die Gäste. Dort steht bereits sein Podest, auf dem uns der Artist mit der schier unglaublichen Biegsamkeit seines Körpers fasziniert. Hier werden die Gesetze der Biologie außer Kraft gesetzt. Kann eigentlich gar nicht gehen? Juma schafft es trotzdem und suggeriert dabei größte Leichtigkeit. Er gewinnt der Kontorsion ganz neue Aspekte ab. Viele seiner Tricks gehen weit über die Standards des Genres hinaus. Kein Wunder also, dass er hier als Pausennummer gesetzt wurde. In der folgenden Unterbrechung unterhält uns das Quartett Bohème auf dem Vorplatz musikalisch. Die Gastronomie erfreut mit leckeren Getränken und Snacks. Während wir uns also entspannen dürfen, baut die Bühnencrew bereits für den nächsten Act auf.


Flurina Bartelmus, Peter Shub, Lisa Stampfl

Dafür wird ein Chinese Pole benötigt, an dem Flurina Bartelmus mit großer Leichtigkeit und viel Witz agiert. Auch sie verwöhnt uns mit starken Kunststücken. Unermüdlich geht es für sie die Stange hinauf und hinab, als wäre dafür keinerlei Anstrengung nötig. Wenn sie am Ende kopfüber am Mast hängt, hält sie sich nur mit jeweils einer Hand und einem Fuß fest. Schon alleine dafür müssen enorm viel Kraft und Körperbeherrschung benötigt werden. Flurina Bartelmus lässt sich das nicht anmerken und lächelt entspannt. Danach bilden mehrere Artisten eine Prozession, während Kirchenmusik erklingt. Dann umkreist die Gruppe einen Stuhl, die Musik verstummt und alle versuchen, den einzigen Platz einzunehmen. Peter Shub gewinnt diese „Reise nach Jerusalem“ und leitet damit seinen zweiten Auftritt ein. Nach einer wortlosen Interaktion mit den Zuschauern packt er ein Geschenk aus. Da das sich darin befindlich Mikrofon bereits eingeschaltet ist, ergeben sich ungewöhnliche Geräusche. Als das Mikro auf dem zugehörigen Ständer fixiert ist, produziert Peter Shub Laute mit dem Mund und dreht jeweils danach das Mikrofon in Erwartung eines Echos Richtung Publikum. Das ist natürlich irre komisch und sorgt für Lachsalven von den Rängen. Auch mit Pilotenmütze und Sonnenbrille unterhält uns der Comedian bestens. Für Eleganz sorgt danach Lisa Stampfl. Die Österreicherin hat sich der Hula-Hoop-Artistik verschrieben. Dabei hält sie nicht nur Reifen mit verschiedenen Körperteilen in Bewegung, sondern baut auch akrobatische Elemente in ihre Kür ein. Es entstehen fließende Abläufe, die ein harmonisches Gesamtbild ergeben.


Quentin Signori, Toy Toy Toy

Den nächsten Künstler sah Maria Ochs im Januar 2023 beim Cirque de Demain. Quentin Signori gewann damals Silber. Sie wollte ihn sofort für das „Varieté unter Sternen“ haben, hatte aber Zweifel, ob bei den Burgfestspielen ausreichend Platz für die Performance an den Strapaten vorhanden ist. Denn Luftnummern finden in Dreieich an einer aus drei Metallstangen gebildeten Pyramide neben der Bühne statt. Doch der Blick in die technischen Anforderungen an einen Auftritt von Quentin Signori brachte Gewissheit – der Act funktioniert auch in Südhessen. Und wie er funktioniert. Die kraftvollen Tricks sind in eine leidenschaftliche Inszenierung eingebunden. Wir erleben unter anderem anspruchsvolle Posen, Kreisel und ausdauernde Schwünge. Der ehemalige Turner gehörte zehn Jahre lange der französischen Nationalmannschaft an. Nun ist er erfolgreich im Showgeschäft tätig und überzeugt sein Publikum im Pariser Cirque Phénix genauso wie unter dem Sternenhimmel von Dreieich. Im März begeisterte uns Shu Takada im Neuen Theater Höchst. Nun wirbelt er gemeinsam mit Naoto Okada im Duo über die Bühne. Die Japaner sind Meister des Yo-Yo. Zu klassischer Musik lassen sie ihre Requisiten in immer wieder neuen Varianten durch die Luft fliegen. Dies bestens abgestimmt auf die Begleitmusik aus dem Bereich Klassik. Ihr Outfit – kurze Hosen, Sakko, T-Shirt, Socken und Sneaker – ist genauso originell wie der Name des Duos: Toy Toy Toy. Die beiden versprühen jede Menge Lebensfreude und beherrschen die vermeintlichen Spielgeräte auf faszinierende Weise. Ein einzigartiges Erlebnis auf höchstem Niveau. Das anschließende Finale wird ausführlich zelebriert, es gibt jede Menge Zugaben und am Premierenabend Blumen für alle Mitwirkenden. Die Zuschauer feiern das Ensemble mit Standing Ovations.

Diese sind auch in diesem Jahr wieder hochverdient. Das Programm ist ein wahrer Genuss, vereint Bekanntes sowie Neues und ist eben einmalig. Nach der fünften und letzten Vorstellung ist es schon wieder Geschichte. Ein wahrhaft exklusives Vergnügen, das zu zivilen Preisen genossen werden kann. Insofern wird der Ansturm auf die Eintrittskarten auch 2027 wieder riesig sein. Glücklich, wer eines der begehrten Tickets ergattert und die Stars des „Varieté unter Sternen“ im kommenden Jahr erleben darf. Bis dahin erinnern wir uns an viele wundervolle Momente der diesjährigen Produktion.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch