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Dies
schließt Abnutzungseffekte quasi aus. „Eine Eigenproduktion
der Bürgerhäuser Dreieich“, heißt es dazu auf dem Flyer. Maria
Ochs und ihr Team machen sich immer wieder auf die Suche nach
neuen, spannenden Künstlern und sind auch 2026 wieder fündig
geworden. Die Burgruine gibt dazu eine ansprechende Kulisse
ab. Nicht minder imposant ist der Blick von der Bühne auf die
große Zuschauertribüne sowie die Stühle auf dem Boden.

Blick
auf die Zuschauertribüne beim Einlass
Dass die
Mitwirkenden unzählige Preise eingeheimst haben, darauf weist
Jan Logemann kurz pauschal hin, nennt aber keine der
Auszeichnungen explizit. Das würde vermutlich den Rahmen
sprengen und für Längen sorgen. Die Gäste spüren auch so, dass
hier Spitzenvertreter des jeweiligen Fachs zugegen sind. Die
Mischung passt, das Niveau bleibt über den Abend konstant
hoch, für eine starke, originelle Schlussnummer ist ebenfalls
gesorgt.

Jan
Logemann
Im Opening
stellen sich alle Mitwirkenden vor, zeigen erste Proben ihrer
Kunst. Die Choreographie hat, genauso wie beim Finale, Samira
Buchner übernommen. Dann treffen wir erstmalig Jan Logemann,
der uns mit Witz und Zauberei durch den Abend führt. Zumeist
sind es Kartentricks, mit denen er die Besucher verblüfft. Was
zunächst recht konventionell klingt, erweist sich bald als
gelungene Mischung. Gerne geht der Entertainer auf Tuchfühlung
mit dem Publikum und holt einzelne davon auf die Bühne.
Endgültig mein Herz gewinnt er, wenn er mittels einer (eher
gemütlichen) Quick-Change-Illusion im Ganzkörperkostüm die
Obstsorte darstellt, an die der Zuschauer gerade gedacht hat.
Zwar liegt der Magier zunächst daneben, doch der Trick ist
noch lange nicht vorbei und nimmt eine überraschende Wendung
mit Happy End. Auch die weiteren Zaubereien sorgen für Staunen
und gemeinsam mit den eingestreuten Gags für Unterhaltung.
Zudem ist Jan Logemann ein charmanter und überaus
sympathischer Zeitgenosse.
 
Antonia Bärk, Peter Shub
Als erste
Artistin kündigt er Antonia Bärk an, die während der
Anmoderation bereits erste Runden auf der überdachten Bühne
dreht. Denn als Requisit hat sie sich ein Fahrrad ausgesucht.
Vom Kunstradsport hat sie den Sprung in die Showbranche
erfolgreich gemeistert. Dies unter anderem durch den Besuch
kanadischer Circusschulen. So begeistert sie uns mit äußerst
überzeugenden Tricks. Sie fährt etwa auf Sattel und Lenker
stehend, im Kopfstand auf dem Sattel oder auf dem Lenker
stehend, während sie um die eigene Achse rotiert. Meine erste
Begegnung mit Peter Shub hatte ich 1989 in Heidelberg. Damals
besuchte ich meine erste Roncalli-Vorstellung und der
US-amerikanische Comedian war im Programm. Und er tritt nach
wie vor mit Hut und in hellem Trenchcoat auf. Einige der Gags
von damals hat er auch in Dreieich im Repertoire. Etwa den
Spaziergang mit einem imaginären Hund oder ein recht
ungewöhnliches Fotoshooting mit einer Kamera im Format XS.
Zudem erleben wir weitere Szenen wie den Kampf mit einem
Maßband aus Metall oder das Aufhängen des Trenchcoats
inklusive Inhalt an einer Kleiderstange. Das alles spielt
Peter Shub mit seiner unnachahmlichen Gestik und Mimik,
einfach genial. Natürlich ist auch das Timing auf den Punkt.
Das Publikum gewinnt er so im Handumdrehen für sich.
 
Duo
EINZ, Juma
Höchst
originell geht es weiter im Programm. Mit Keulen, Ringen oder
Bällen jonglieren viele, mit Sektflaschen nur die wenigsten.
Esther und Jonas Slanzi gehören dazu. Zumeist lassen sie ihre
Requisiten nicht durch die Luft fliegen, sondern schicken sie
auf kontrollierte Touren über einen schräg gestellten Tisch.
Oftmals geht es für die Flaschen im Kreis über die Platte. Das
Duo EINZ verkauft seine Kunst voller Energie und höchst
sympathisch. Immer sind sie in Bewegung, immer wieder
überraschen sie mit originellen Einlagen. Am Ende wagt Jonas
Slanzi sogar den Flaschenlauf. Und letztendlich sorgen die
beiden dafür, dass die Schweiz auch in dieser Ausgabe des
„Varieté unter Sternen“ vertreten ist. Inmitten der Zuschauer
startet Juma seinen Auftritt. Fröhlich winkend nimmt er den
Mittelgang Richtung Bühne und begrüßt die Gäste. Dort steht
bereits sein Podest, auf dem uns der Artist mit der schier
unglaublichen Biegsamkeit seines Körpers fasziniert. Hier
werden die Gesetze der Biologie außer Kraft gesetzt. Kann
eigentlich gar nicht gehen? Juma schafft es trotzdem und
suggeriert dabei größte Leichtigkeit. Er gewinnt der
Kontorsion ganz neue Aspekte ab. Viele seiner Tricks gehen
weit über die Standards des Genres hinaus. Kein Wunder also,
dass er hier als Pausennummer gesetzt wurde. In der folgenden
Unterbrechung unterhält uns das Quartett Bohème auf dem
Vorplatz musikalisch. Die Gastronomie erfreut mit leckeren
Getränken und Snacks. Während wir uns also entspannen dürfen,
baut die Bühnencrew bereits für den nächsten Act auf.
 
Flurina Bartelmus, Peter Shub, Lisa Stampfl
Dafür wird
ein Chinese Pole benötigt, an dem Flurina Bartelmus mit großer
Leichtigkeit und viel Witz agiert. Auch sie verwöhnt uns mit
starken Kunststücken. Unermüdlich geht es für sie die Stange
hinauf und hinab, als wäre dafür keinerlei Anstrengung nötig.
Wenn sie am Ende kopfüber am Mast hängt, hält sie sich nur mit
jeweils einer Hand und einem Fuß fest. Schon alleine dafür
müssen enorm viel Kraft und Körperbeherrschung benötigt
werden. Flurina Bartelmus lässt sich das nicht anmerken und
lächelt entspannt. Danach bilden mehrere Artisten eine
Prozession, während Kirchenmusik erklingt. Dann umkreist die
Gruppe einen Stuhl, die Musik verstummt und alle versuchen,
den einzigen Platz einzunehmen. Peter Shub gewinnt diese
„Reise nach Jerusalem“ und leitet damit seinen zweiten
Auftritt ein. Nach einer wortlosen Interaktion mit den
Zuschauern packt er ein Geschenk aus. Da das sich darin
befindlich Mikrofon bereits eingeschaltet ist, ergeben sich
ungewöhnliche Geräusche. Als das Mikro auf dem zugehörigen
Ständer fixiert ist, produziert Peter Shub Laute mit dem Mund
und dreht jeweils danach das Mikrofon in Erwartung eines Echos
Richtung Publikum. Das ist natürlich irre komisch und sorgt
für Lachsalven von den Rängen. Auch mit Pilotenmütze und
Sonnenbrille unterhält uns der Comedian bestens. Für Eleganz
sorgt danach Lisa Stampfl. Die Österreicherin hat sich der
Hula-Hoop-Artistik verschrieben. Dabei hält sie nicht nur
Reifen mit verschiedenen Körperteilen in Bewegung, sondern
baut auch akrobatische Elemente in ihre Kür ein. Es entstehen
fließende Abläufe, die ein harmonisches Gesamtbild ergeben.

Quentin Signori, Toy Toy Toy
Den
nächsten Künstler sah Maria Ochs im Januar 2023 beim Cirque de
Demain. Quentin Signori gewann damals Silber. Sie wollte ihn
sofort für das „Varieté unter Sternen“ haben, hatte aber
Zweifel, ob bei den Burgfestspielen ausreichend Platz für die
Performance an den Strapaten vorhanden ist. Denn Luftnummern
finden in Dreieich an einer aus drei Metallstangen gebildeten
Pyramide neben der Bühne statt. Doch der Blick in die
technischen Anforderungen an einen Auftritt von Quentin
Signori brachte Gewissheit – der Act funktioniert auch in
Südhessen. Und wie er funktioniert. Die kraftvollen Tricks
sind in eine leidenschaftliche Inszenierung eingebunden. Wir
erleben unter anderem anspruchsvolle Posen, Kreisel und
ausdauernde Schwünge. Der ehemalige Turner gehörte zehn Jahre
lange der französischen Nationalmannschaft an. Nun ist er
erfolgreich im Showgeschäft tätig und überzeugt sein Publikum
im Pariser Cirque Phénix genauso wie unter dem Sternenhimmel
von Dreieich. Im März begeisterte uns Shu Takada im Neuen
Theater Höchst. Nun wirbelt er gemeinsam mit Naoto Okada im
Duo über die Bühne. Die Japaner sind Meister des Yo-Yo. Zu
klassischer Musik lassen sie ihre Requisiten in immer wieder
neuen Varianten durch die Luft fliegen. Dies bestens
abgestimmt auf die Begleitmusik aus dem Bereich Klassik. Ihr
Outfit – kurze Hosen, Sakko, T-Shirt, Socken und Sneaker – ist
genauso originell wie der Name des Duos: Toy Toy Toy. Die
beiden versprühen jede Menge Lebensfreude und beherrschen die
vermeintlichen Spielgeräte auf faszinierende Weise. Ein
einzigartiges Erlebnis auf höchstem Niveau. Das anschließende
Finale wird ausführlich zelebriert, es gibt jede Menge Zugaben
und am Premierenabend Blumen für alle Mitwirkenden. Die
Zuschauer feiern das Ensemble mit Standing Ovations. |