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Circus Krone - Tour 2026
www.circus-krone.com ; 186 Showfotos

Heidelberg, 14. Mai 2026: Wie kann es aussehen, ein zeitgemäßes Konzept für das Tourneeprogramm des „größten Circus der Welt“? Nach dem Tod der legendären Direktorin Christel Sembach-Krone im Jahr 2017 hatten ihre Adoptivtochter Jana Mandana Lacey-Krone und Ehemann Martin Lacey junior entschieden, sich von der jahrzehntelang genutzten Showtreppe und dem darauf tanzenden Krone-Ballett zu verabschieden. Im April 2019 präsentierten sie ihre erste eigene Tourneeproduktion „Mandana“.

In ihrer Ursprungsfassung erzählte diese eine Liebesgeschichte zwischen „Pferdeprinzessin und Löwenprinz“ und nahm dabei Bezug auf die traditionsreiche Geschichte des Circus Krone – ein durchgestyltes „Historienspektakel“, das gar ohne klassische Komplimente auskam. Leider fand die sehr aufwendig produzierte Show offenbar nicht den erhofften Anklang. Jedenfalls wurde sie rasch in Richtung einer herkömmlichen Circusvorstellung verwandelt, erst recht in der „Neuproduktion“ unter dem Titel „Stars in der Manege“, mit der nach zweieinhalb Jahren Corona-Pause im Herbst 2022 der Reisebetrieb wieder aufgenommen wurde.


Blick ins neue "Megazelt" des Circus Krone

Seit der „Weltpremiere“ in München im April 2025 auf der Münchner Theresienwiese gibt es nun zum zweiten Mal ein vollkommen neues Sommer-Programm unter der Direktion des Ehepaares Lacey-Krone. Diesmal haben Jana Mandana Lacey-Krone und Martin Lacey junior beschlossen, das Konzept der stets sehr erfolgreichen Winterprogramme im Circus-Krone-Bau an der Münchner Marsstraße auf die Reisezeit zu übertragen. Sprich, es wird ein starkes Nummernprogramm geboten, das durch Auftritte der Truppe Bingo – in Opening, Zwischenspielen und Finale – ein modernes Gepräge erhält. Als Vorlage dient das Winterprogramm 2022/23 mit seinem Motto „Farbenspiel“, aus dem einige Nummern und sonstige Elemente übernommen und mit zusätzlichen Acts in einer „Gold Edition“ neu aufgelegt wurden. Die Spielstätte übersetzt den einmaligen Charme des Krone-Baus, eines architektonischen Zeugnisses der 1960er Jahre, in einen hochmodernen Zeltpalast. Die Sonderanfertigung vom Format eines Achtmasters ist 84 Meter lang und 57 Meter breit, der Zuschauerraum wird von zwei 23 Meter hohen, außen liegenden Gitterrohrbögen überspannt, so dass sich im Inneren ein kreisrunder, mastenfreier Zuschauerraum ergibt – eine Atmosphäre, die durchaus an den Krone-Bau erinnert. Den prachtvollen Artisteneingang im Stil einer Krone-Fassade der 1920er Jahre kennen wir aus der Produktion „Mandana“; neu sind dagegen die 2000 bequemen, teils ledergepolsterten Einzelsessel. Licht und Ton erleben wir vollkommen auf der Höhe der Zeit, und für Live-Akzente sorgt das sechsköpfige Orchester, das nun auf dem Artisteneingang seinen Platz findet. Nach dem Motto „Alles unter einem Dach“ finden auch die Restauration und der Backstagebereich im neuen „Megazelt“ Raum, ganz so wie wir es von Arlette Gruss in Frankreich kennen. Ein Modell, das perfekt zum Circus Krone passt: Nach außen wirkt das Chapiteau weiterhin so riesig, wie es sich mit dem Namen Krone untrennbar verbindet; im Inneren haben Zuschauerraum und Besucherkapazität ein für heutige Zeiten vernünftiges Maß. So ergibt sich eine stimmungsvolle Atmosphäre. Wenn das Publikum gut mitgeht, ist hier richtig etwas los.


Opening

Nachdem Starclown Fumagalli seine Manegenkarriere beim Kölner Weihnachtscircus unter medialem Echo beendet hat, unterbricht er den Ruhestand nun schon in der zweiten Saison für ein neues Engagement im Circus Krone. Freilich ist er ganz der Alte und leitet als komischer Dirigent, der über die Möglichkeiten seines Taktstocks staunt, die Vorstellung ein. Nach der Ouvertüre und der Begrüßung durch Ringmaster Nikolai Tovarich erleben wir ein energiegeladenes Charivari, in dessen Mittelpunkt die Tänzerinnen und Tänzer der Truppe Bingo stehen. Einer von ihnen tritt als Sänger hervor, der andere und eine Kollegin zeigen Handstandakrobatik. Die jungen Frauen der Mongoljingoo-Truppe lassen Hula-Hoop-Reifen kreisen oder zeigen Luftakrobatik an Tüchern, auch für eine Dame der „Flying Tabares“ geht es hoch hinaus. Die Truppe „Mystery of Gentlemen“ gibt eine Kostprobe ihres Könnens im Genre Handvoltigen. Beim abschließenden Tanz, zu dem sich auch die Mitglieder von „Extreme Lights“ gesellen, werden bunte Tücher geschwenkt. So entsteht, trotz der edlen, weißen Kostüme, ein wirbelnd buntes „Farbenspiel“.


Chuan Ho Chu, Thomas Lacey, Brian

An den Beginn der eigentlichen Spielfolge setzt die Regie einen Artisten, der die Energie des Openings aufgreift und die Stimmung im Publikum weiter anheizt. Mitreißend und temporeich, fast unverschämt gut gelaunt bringt der Taiwaner Chuan Ho Chu seine bis zu drei Diabolos zum Fliegen. Auf immer neue Weise lässt er die Doppelkegel übers Seil tanzen und schickt sie auf anspruchsvolle Touren. Mit einer Extrarunde im Gang zwischen Premiumparkett und Parkett lässt er sich nach der Nummer feiern und klatscht viele Hände ab. Genügend Zeit, um die Manege zu richten für die Hundenummer von Thomas Lacey, dem jüngeren Bruder des Direktors. Er gefällt mit seinem temperamentvollen und doch eleganten Auftreten. Elf Vierbeiner unterschiedlicher Rassen dirigiert er durch eine umfangreiche und rasante Trickfolge. Dabei springen sie durch Reifen und eine Röhre, über ein Seil und über Hürden oder schlagen Salti. Mit der Polonaise aller Tiere, die Vorderpfoten jeweils auf dem Rücken des vorangehenden Tieres, findet die Nummer ihren Abschluss. Noch amüsanter wird es, wenn der jugendliche Brian (Mota) mit der Tücke des Objekts kämpft. Bei seinem Spiel auf dem Flügel macht sich sein Hocker selbständig, fährt die Tastatur seitlich aus dem Instrument oder quillt plötzlich Rauch aus dem Instrument.


Sven Jahn-Munoz und Alexis Lacey-Krone, Steve Eleky, Mongoljingoo-Truppe

Bei Krones „Reiterspielen“ führen Jana Mandana Lacey-Krone und Hans-Ludwig Suppmeier gemeinsam das Kommando. Die aufwendige Nummer beginnt mit einer Art Umzug mit jeweils vier Kamelen und berittenen Pferden, die auch Figuren wie in einer Freiheitsdressur absolvieren. Zwei mongolische Reiter und Reiterin Aida Rouault zeigen im weiteren Verlauf der Nummer Elemente der Dshigitenreiterei, liegen quer auf dem Rücken eines galoppierenden Pferdes, sitzen „rückwärts“ im Sattel oder klettern sogar um den Bauch des Rosses. Sven Jahn-Munoz tritt als Stehendreiter auf den Rücken zweier Friesen auf. Es folgt ein großes Karussell-Bild: Im Mittelpunkt sitzt Jana Mandana Lacey-Krone auf einem Schulpferd, entlang der Piste reiten auf Pferden Alexis und Thomas Lacey, Sven Jahn-Munoz und die Mongolen. Elemente der Jockeyreiterei bringt zudem Sven Jahn-Munoz in die Manege, auch in einem Zwei-Personen-Hoch mit Alexis Laxey-Krone. Insgesamt ein kreativ gestaltetes Schaubild mit wunderbaren Kostümen, das auch als eine Reminiszenz an die Programmgestaltung während der Ära Christel Sembach-Krone und Gene Reed verstanden werden kann. Eine deutliche Aufwertung gegenüber der Vorsaison hat sich ergeben, indem Bauchredner Willer Nicolodi durch Steve Eleky mit seinen bestens bekannten, genialen Comedy-Jonglagen und -Zaubereien ersetzt wurde. Auch nach ungezählten Malen, die wir seinen Act sehen dürfen, können wir immer wieder herzlich lachen. Am artistischen Markt sind eine ganze Reihe von Kontorsionsnummern zu engagieren, bei denen die Solo-Artistin – oder auch der Solo-Artist – am Ende einen Bogenschuss mit den Füßen auslöst. Etwas Neues hat vor Jahren die Mongoljingoo-Truppe kreiert. Die fünf jungen Damen in folkloristischen Kostümen ihrer mongolischen Heimat nutzen dazu ein Podium mit zwei erhöhten Plattformen und gegenüber drei Zielscheiben. In immer andere Posen formen sie ihre Körper, letztlich auch um unterschiedliche Bogenschüsse durch die Geschicklichkeit ihrer Zehen zielgenau zu platzieren. Dies auch in zwei Varianten, bei denen die auslösende Partnerin von Unterfrauen getragen wird.


Flying Tabares

Den Aufbau des doppelten Flugtrapezes samt Fangnetz überbrücken die Bingos mit Tanz und Gesang in den Treppenaufgängen, dies mit herrlichen, edlen Kostümen in Rot und Weiß. Die zwei Flugbahnen nebeneinander mit zwei Fängern ermöglichen es den fünf Fliegerinnen und zwei Fliegern der Tabares, nonstop – mal links, mal rechts – verschiedene Salti, Pirouetten und die Passage zu bieten, letztere in doppelter Ausführung nebeneinander. Leider scheitert der Dreifache; eine Wiederholung wird nicht versucht. Zu loben ist noch die Begleitung mit Live-Musik zwischen Tempo und Gefühl.


Alexis Lacey-Krone und Martin Lacey junior

Die Raubtiernummer ist nun wieder traditionell nach der Pause platziert anstatt vor dem Finale, wie es bei der Vorgängerproduktion „Mandana“ bzw. „Stars in der Manege“ der Fall war. Vor allem aber zeigt der Circus Krone, dass er weiterhin an die Zukunft des Circus mit Tieren, insbesondere auch Wildtieren, glaubt. Denn der in diesem Jahr volljährig gewordene Direktionsspross Alexis Lacey-Krone übernimmt nun den größten Teil der Löwendressur, lässt das große Rudel hochsitzen und einige Tiere rasant über Postamente und am Käfig entlang springen. Sein Vater Martin Lacey junior ist für die kleinen, feinen Tricks zuständig. Er präsentiert Schmuseeinheiten mit einem Löwen, lässt zwei Löwen auf sich abliegen und eine andere Großkatze die Vorderpfoten auf seine Schultern legen.


Nikolai Tovarich, Daris und Fumagalli

Den Käfigabbau überbrücken die Bingos samt ihrem Sänger in einem weiteren energetischen Auftritt. Oft kopiert, doch nie erreicht, so könnte man das Bienchen-Entree beschreiben, das Fumagalli und Daris seit Jahrzehnten so herrlich witzig spielen wie niemand anders. Ihr seriöser Partner ist hier Nikolai Tovarich, und auch einige Personen in der ersten Reihe werden zu "Mitwirkenden".


Jana Mandana Lacey-Krone, Mystery of Gentlemen, Extreme Lights

Im Wesentlichen aus der Kronebau-Version des „Farbenspiels“ übernommen wurde der große Pferdeblock, den Jana Mandana Lacey-Krone und Hans Ludwig-Suppmeier mit einer vorzüglich gerittenen, doppelten Hohen Schule auf einem Braunen und einem Schimmel einleiten. Nach der Überleitung mit einem von Hans Suppmeier angeleiteten Solosteiger stellt die Direktorin zehn lackschwarz glänzende Nonius-Hengste in Freiheitsdressur vor. Anschließend steigen vier Noniusse mit den Vorderbeinen auf Postamente und lassen sich so von einem Pony unterqueren. Ein fünffacher Steiger und ein Solosteiger, wiederum abwechselnd von beiden vorgestellt, bildet den Abschluss dieses schönen Blocks, der von einem Medley aus Abba-Hits begleitet wird. Wenn Komiker Brian mit seinem Love-Song auf dem Saxophon vermeintlich um eine Dame in der Loge wirbt, ist die heitere Überraschung zum Abschluss umso größer. Gelb ist nicht nur sein Anzug, gelb sind auch die Kostüme der Bingos, die nochmal im Zuschauerbereich tanzen. Die mongolische Truppe „Mystery of Gentlemen“ kombiniert zwei Genres zu einer echten Rarität. Die männlichen Akteure balancieren hierbei auf großen Kugeln. Von dort aus katapultieren sie ihre beiden Partnerinnen zu Handvoltigen in die Luft und fangen sie wieder auf, dies auch von Kugel zu Kugel und bis hin zum Drei-Personen-Hoch. Gegenüber dem Engagement im Kronebau wirkt die Nummer deutlich „aufpoliert“, da wieder eine zweite Fliegerin mitwirkt. Nach wie vor müssen die Kugeln immer wieder mit dezenten Hilfestellungen vor dem Wegrollen geschützt werden. Perfekt zum Motto „Farbenspiel“ passt natürlich der Auftritt der Truppe „Extreme Lights“ vor dem Finale. In der abgedunkelten Manege performen die Männer und Frauen ihre moderne Tanzchoreographie, während die vielfarbigen LED-Lichter an ihren Kostümen raffiniert darauf abgestimmt zu leuchten beginnen und wieder erlöschen, alles im Sekundentakt. So erscheinen die Akteure in immer neuen Formationen scheinbar aus dem Nichts und verschwinden ebenso wieder, nur um kurz darauf überraschend an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Ob die Darbietung auch die ideale Schlussnummer ist, sei dagegen dahingestellt.

Und getanzt wird natürlich auch im kompakt gehaltenen Finale, in dem das 60-köpfige Ensemble Standing Ovations erntet. Zu Recht, denn ein solch großes und starkes Programm mit mehreren Truppen, zwei internationalen Star-Komikern und der Tier-Vielfalt von Hunden, Pferden, Kamelen und vor allem Löwen auf Tournee erleben zu dürfen, diese Kombination ist für heutige Zeiten ein einmaliges Erlebnis in Europa und der Welt. Nach der Premiere im April 2025 in München ist die Show längst wunderbar eingespielt, hat inzwischen mit zwei Stunden und 40 Minuten für eine solch kolossale Produktion genau die richtige Länge. „Krone bleibt Krone“, beschreibt das Unternehmen sich gerne selbst. Wir stimmen zu und hoffen, dass dies noch lange so zutrifft.

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Text: Markus Moll, Fotos: Tobias Moll