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Cirkus Arena - Tour 2026
www.arena.dk ; 148 Showfotos

Charlottenlund, 7. August 2026: Wenige Tage vor meinem Besuch beim Cirkus Arena feierte Benny Berdino seinen 80. Geburtstag. Gemeinsam mit Ehefrau Hanne leitet er das Unternehmen nun seit 50 Jahren. Das Ereignis bildet das Motto der diesjährigen Tournee, womit diese zu einer "Jubiläumssaison" wird, wie Plakat und Programmheft verkünden. Berdino ist noch einer jener Direktoren „vom alten Schlag“. Gerne erinnern wir uns an die Vorstellungen zurück, die er selbst moderierte und mit seinem Gesang bereicherte.

Inzwischen werden diese Elemente von fernsehbekannten Persönlichkeiten übernommen. Die Präsentation der Show liegt im dritten Jahr in Folge bei Bubber und Malene Qvist. Er ist TV-oderator, sie Sängerin. Mit unterhaltsamen Plaudereien und Gesang begleiten sie uns durch den Nachmittag. Sie sind die Sympathieträger der Vorstellung und haben sicher eine nicht unwesentliche Anziehungskraft. Das Duo passt wunderbar in den Rahmen und bildet eine harmonische Einheit mit dem hier gepflegten klassischen Großcircus.


Malene Qvist und Bubber

So zeigt sich der Cirkus Arena auch von außen. Das rote Viermastzelt steht an diesem Freitag auf dem Rasenplatz in Charlottenlund, unweit der City von Kopenhagen, direkt am Meer. Restauration und Kassenwagen sind davor locker platziert. Rings um das Chapiteau finden sich die Wohn- und Materialwagen. Dazwischen das Tierzelt der Familie Donnert. Deren drei Pferde bilden in dieser Saison den gesamten Tierbestand. Im Vergleich zum Vorjahr reduziert wurde auch die musikalische Live-Begleitung der Show. Statt einer Band sitzt jetzt ein Schlagzeuger in der oberen Etage des Artisteneingangs. Er spielt gemeinsam mit der Musik aus der Konserve, was erstaunlich harmonisch klingt. Das Licht sorgt ebenfalls für eine schöne Unterstützung des Geschehens in der Manege. Die beweglichen Spots werden wieder durch die Artisten selbst gesteuert, welche an ihren Kostümen die entsprechenden Sender tragen.


David Hammarberg, Juan Pablo Martinez, Michael Alves

Bereits beim Einlass steht ein aufblasbares Circuszelt in der Manege, die für den ersten Teil mit einem Holzboden ausgelegt ist. Auf der Rundleinwand werden zu Beginn der Show Impressionen aus der Geschichte des Cirkus Arena eingespielt. Danach versucht Bubber, seinen Platz im Spotlight zu bekommen, doch der Lichtkegel bewegt sich zwischen mehreren Positionen. Schließlich gelingt es ihm, das Licht in einem Eimer einzufangen und das gesamte Chapiteau zu erleuchten. Damit kann die erste Darbietung starten. Sie gehört David Hammarberg, der seit 2023 bei Arena ist. In diesem Jahr zeigt er seine Bungee-Akrobatik unter der Kuppel. In einem fantasievollen Kostüm wagt er raumgreifende Sprünge, die ihren Ausgangs- und Zielpunkt an einer Trapezstange haben. Ein schwungvoller Auftakt, bei der der sympathisch lächelnde Artist durch den Gesang von Malene Qvist begleitet wird. Während der nächsten Darbietung fungiert die blonde Entertainerin als Assistentin. Nämlich dann, wenn sie Juan Pablo Martinez die Tischtennisbälle reicht, welche dieser mit dem Mund in die Luft schnalzt und auch wieder auffängt. Zuvor zeigt der Jongleur bereits seine Fertigkeiten mit Keulen. Zum Finale seines Acts jongliert er mit Sombreros und wagt so auch eine Runde durch die Zuschauerreihen. Dabei heizt er die Stimmung ordentlich an und bringt die Lebensfreude Mexikos in den Norden Europas. Zwei Herren erscheinen in einem der Aufgänge des Gradins und wünschen den Herrn Direktor zu sprechen. Als Bubber ihnen mitteilt, dass dieser nicht da sei, gehen sie wieder, um kurz darauf nach einem weiteren Mitglied des Circusteams zu fragen. So geht das Spiel immer weiter, bis die beiden samt Artistengepäck letztendlich in der Manege landen. Bei dieser Version von „Abladen Aufladen“ erleben wir den langjährigen Clown des Unternehmens, Jimmy Folco, zusammen mit seinem neuen Partner Michael Alves. Letzterer darf auch eine Sequenz seiner Arbeit an der freistehenden Leiter zeigen. Jimmy Folco wiederum beweist bei der Jonglage von Hühnereiern Humor. Ein herrlicher Spaß, bei dem Bubber gute Miene machen muss.


Christofer Eötvös und Partnerin, Alfons Donnert, Kelly Folco

Zum Cirkus Arena zurückgekehrt ist Christofer Eötvös, um uns erneut mit Großillusionen zu verblüffen. Im vergangenen Jahr war er sowohl im Reisegeschäft zu erleben als auch im Cirkusland in Slagelse, welches in dieser Saison nicht geöffnet ist. Vier Tricks sind es, mit denen uns der Magier und seine drei Girls zum Staunen bringen. Die Klassiker werden elegant vorgeführt, dazu tragen die Akteure edle Kostüme. Beim letzten Kunststück entsteigen am Ende alle Damen einer Kiste, in der zunächst eine von ihnen Platz genommen hatte, um von mehreren Stäben durchbohrt zu werden. Die Familie Donnert ist in diesem Programm nicht nur mit Reiterei vertreten, sondern ebenfalls mit Jonglage. Dafür sorgt Alfons, der geschickt bis zu zwei Diabolos auf einer Schnur zwischen zwei Handstäben tanzen lässt. Natürlich schickt er die Doppelspulen auch auf variantenreiche Touren durch die Luft. Als Kraftmenschen produzieren sich sodann Jimmy Folco und Michael Alves in rot-weiß gestreiften Trikots. Das Sprengen von Eisenketten bereitet ihnen ebensowenig Schwierigkeiten wie das Verbiegen von äußerst massiven Kleiderbügeln aus Metall. Nur bei der Jonglage von schweren Kugeln passiert ein Malheur. Der am Kopf getroffene Jimmy Folco geht zu Boden. Natürlich ist alles ein großes Spektakel, bei dem auch ein Puderbeutel zum Einsatz kommt. Auf eine längere Sequenz mit Bubber und Malene Qvist folgt die Pausennummer. In dieser begeistert Kelly Folco mit den unterschiedlichsten Facetten der Einradakrobatik. Ihre Requisiten werden dabei immer größer. Sie startet auf einem kleinen Rad, mit dem sie eine Treppe hinunter fährt und anschließend wieder hinauf hüpft. Oben angekommen springt sie auf einem Podest Seil. Länger ist die Stange zwischen Rad und Sattel bei dem Exemplar, auf dem sie Tassen und Teller im Wechsel mit dem Fuß in die Luft kickt, um sie auf dem Kopf aufzufangen. Gar 18 Meter hoch ist das aus mehreren Rädern übereinander bestehende Gefährt, auf dem Kelly Folco ihre Abschiedsrunde dreht. Diese starken Leistungen präsentiert die Spanierin sehr überzeugend und charmant im Stil ihrer Heimat.


Truppe Donnert, Gabriel Dell'Acqua, Duo Costache

Die Reiterei der Donnerts eröffnet den zweiten Teil, welcher auf Sägemehl gespielt wird. Zwei Reiter und eine Reiterin werden von zwei Tänzerinnen in einheitlichen ungarischen Kostümen unterstützt. Die Tricks sind in eine schöne, lebendige Choreographie eingebunden. So gibt es etwa den Salto auf einem Pferd und den Salto von Pferd zu Pferd. Den effektvollen Abschluss bildet die Stehendreiterei mit einer großen dänischen Fahne. Gabriel Dell'Accqua ist erneut beim Cirkus Arena engagiert und hat seine zehnjährige Schwester Sara mitgebracht. Beide haben sich der Equilibristik verschrieben. Sie arbeitet in der gemeinsamen Kür im vorderen Bereich der Manege auf drei Handstäben, er weiter hinten auf zwei. Sowohl gemeinsam als auch im Wechsel zeigen sie ihre akrobatischen Posen auf zwei Händen oder einer. Sara bezieht dabei einen silbernen Ball ein. Sehenswerte Handstandvariationen sorgen für Staunen, wobei der sechs Jahre ältere Gabriel natürlich die stärkeren Momente beisteuert. Idealerweise hätte man ihm auch einen fulminanten Schlusspunkt überlassen. Immer wieder neu erfindet sich das Duo Costache. In diesem Jahr nehmen sie uns mit ins Tierreich. Vita ist die Raupe, aus der am Ende ein Schmetterling wird, Leo die Spinne im Netz. Letzteres dient als Requisit für ihre Luftakrobatik, bei der sie vor allen Dingen die Kraft ihrer Zähne beweisen. So hält sich etwa Leo mit dem Gebiss am Netz fest, während Vita an zwei am Kostüm ihres Partners befestigten Bändern Umschwünge zeigt. Aber auch Vita hat starke Zähne. Wenn sie mit diesem am Netz hängt, hält sich Leo mit dem Gebiss an einer Schlaufe fest, die an einem ihrer Füße angebracht ist. So erzählt das Duo eine fantasievolle Geschichte.


Michal Alves, Jimmy Folco und Bubber, Azzario & Medini

Ihre ganz eigene Variante des Wasserentrees führen Jimmy Folco und Michael Alves mit Unterstützung von Bubber auf. Dabei muss sich einer der Akteure eine Münze auf die Stirn legen lassen und sie durch Senken des Kopfs in einen Trichter mit kurzem Schlauch daran auffangen. Der Schlauch wird in den Hosenbund gesteckt. Während sich der Mitspieler auf die Münze konzentriert, versucht ihm einer der Partner über den Trichter Wasser in die Hose zu schütten. Beim ersten Versuch geht alles nach Plan: Bubber sorgt dafür, dass das Beinkleid von Jimmy Folco nass wird. Als nächstes Opfer suchen sich die beiden Michael Alves aus. Doch dabei gerät die Situation vollkommen außer Kontrolle. Immer größer werden die Gefäße, mit denen Jimmy Folco das Wasser herbeischafft, um seinen Clownspartner in Mitleidenschaft zu ziehen. Am Ende kommt sogar ein Wasserschlauch zum Einsatz. Als Schlussnummer erleben wir eine Weltpremiere. Die Equilibristin Quincy Azzario und der Rola-Rola-Akrobat Rubel Medini sind nicht nur privat ein Paar, sondern präsentieren seit dieser Saison auch ihre gemeinsame Darbietung im Scheinwerferlicht. Dabei haben sie ihre beiden Disziplinen zusammengeführt. Sprich, wir erleben Partnerakrobatik auf schwankender Basis. Im Kopf auf Kopf balancieren die beiden nicht nur auf Brett und Walze, sondern Rubel trägt seine Partnerin in dieser Position auch eine Treppe hinunter und hinauf. Faszinierend ebenfalls der Schlusstrick, bei der der auf einer Rola Rola stehende Rubel ein Brett auf dem Kopf hält. Darauf eine weitere Walze mit Brett, auf dem Quincy einen Handstand zelebriert. Natürlich stimmt die Verpackung ebenfalls. Kostüme und Musik sind sehr geschmackvoll und werten den Auftritt genauso auf wie der professionelle Verkauf. Zwei Vollblutartisten eben, die mit ganzem Herzen bei der Sache sind. Es folgt das ausführliche Finale mit dem gesamten Ensemble.

Trotz durchaus wahrnehmbarer Anpassungen gegenüber dem Vorjahr gehört der Cirkus Arena weiterhin unbestritten zu den klassischen Großcircussen in Europa. Eine Spezies, deren Vertreter man inzwischen an wenigen Fingern abzählen kann. Und auch wenn man sich bei den engagierten Artisten einen konsequenteren Wechsel wünschen würde, ist der Besuch „im größten Cirkus der nordischen Länder“ auch 2026 wieder ein Erlebnis. Es bleiben die Glückwünsche an Hanne und Benny Berdino für dieses bemerkenswerte Jubiläum und die Vorfreude auf das kommende Jahr mit einem neuen Programm.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch